Der emotionale Supergau!

Gestern war der ganze Tag allgemein schwierig.. Wir haben die Nacht kaum geschlafen, unsere Biene lässt sich keine Sekunde ablegen, schläft auch tagsüber kaum, der Tiger und ich geraten immer wieder aneinander. Nach dem Essen ist unser Tiger so k.o., dass er sogar eingeschlafen ist und nachmittags 3 Stunden geschlafen hat. Ich stelle mich auf einen längeren Abend ein und freue mich schon darauf, da ich annehme, unser Tiger würde nach so viel Schlaf super gelaunt sein. Um 19:00 Uhr lege ich mich mit unserer Biene ins Bett und stille sie in den Schlaf. Der Tiger spielt mit dem Tigerpapa, alles ist sehr entspannt. Gegen 20 Uhr wird der Tiger dann etwas müde, der Tigerpapa geht mit ihm ins Bad. Ich höre schon, wie sich die Laune des Tigers zunehmend verschlechtert, bis er schließlich weint. Ich bin froh, dass unsere Biene eingeschlafen ist. Ich stehe auf und helfe den beiden bzw. versuche ich es.

Meine beiden Männer sind gerade beim Zähneputzen, der Tiger weint, der Tigerpapa weiß nicht genau, warum. Das Weinen wird immer mehr. Ich beschließe kurzerhand Zähne putzen fällt aus. Auch aufs Umziehen können wir verzichten, doch um das Wickeln kommen wir nicht drum herum. Der Tiger wird immer wütender, er möchte nicht wickeln – nicht im Liegen, nicht im Stehen, nicht mit Spaß, nicht mit Singen. Stattdessen sieht man ihm deutlich an, dass der Nebel in seinem Gehirn größer wird und die Emotionen das rationale Denken ausgeschaltet haben. Nachdem ich unserem Tiger die Windel ausgezogen habe, eskaliert alles. Er kreischt und schreit und weint und tritt um sich – ans Windel anlegen war nicht mehr zu denken… Kurzerhand schnappte ich ihn (eben ohne Windel) und kuschle mich mit ihm ins Bett. Er weint und schreit und sagt immer wieder: „Er möchte alleine.. Alleine!!“. Mit der Zeit finde ich heraus, dass er alleine sein Shirt (er war nass vom Abendessen) und auch die Windel alleine ausziehen wollte (er hatte das allerdings die ganze Zeit kein einziges Mal erwähnt). Er weint und ist so unendlich verzweifelt. An diesem einen Gedanken, dass er alleine machen wollte, blieb er hängen – als ob die Festplatte hängen geblieben wäre.. Ich nehme ihn ganz fest in den Arm und sage ihm immer wieder ganz ruhig, dass es in Ordnung ist. Er darf wütend sein und das zeigen und er darf traurig sein und weinen. Immer und immer wieder sage ich ihm, dass alles gut ist und er seine Emotionen ausleben darf.

Ich kann mir nur wage vorstellen, wie schwer diese Situation für den Tiger ist, wie schlimm dieser Nebel in dem Moment sein muss. Wie anstrengend es für ihn ist, wenn man so von seinen Emotionen überrannt wird und es scheint, als würde sich dieser emotionale Nebel kaum lichten…

Es dauert einige Zeit, doch langsam merke ich, wie unser Tiger ruhiger wird. Irgendwann höre ich auf zu reden und kuschle mich ganz fest zu ihm, er drückt mich ganz fest. Viele Minuten liegen wir da und langsam merkt man, wie unser Tiger wieder klarer wird, wie sich der Nebel doch zu lichten beginnt, er wird wieder ruhiger. Auch nach dem Weinen bleibe ich noch einige Zeit liegen und er wirkt so unendlich dankbar dafür.

Unsere Biene weint. Ich erkläre unserem Tiger kurz, dass ich gleich wieder komme. Der Tigerpapa setzt sich zu ihm. Nach wenigen Minuten kann ich wieder zum Tiger gehen. Er sagt von sich aus, dass er noch eine Windel braucht. Ich lege mich dann noch zu ihm ins Bett. Wie jeden Abend sage ich ihm, dass ich ihn sehr lieb hab und zum ersten Mal sagt auch er mir: „Ich hab dich auch so lieb“. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Ja, es zehrt als Elternteil sehr, das eigene Kind so aufgelöst zu sehen und das Gefühl zu haben, dass man kaum helfen kann. Doch es ist für das Kind viel schwieriger so gefangen zu sein in den eigenen Emotionen. Ich habe mal gelesen (eine Quelle kann ich euch leider nicht nennen), dass sehr bedürfniserzogene Kinder stärker trotzen, einfach weil sie es können und dürfen. Ich denke aber, dass es doch auch sehr vom Charakter abhängig ist. Es war für mich ein langer Lernprozess, dass ich diese intensiven Gefühle des Tigers relativ gelassen über einen längeren Zeitraum begleiten kann.

Dennoch bin ich froh, dass unser Tiger grundsätzlich ein sehr „vernünftiges“ Kind ist, das meiste kann man einfach mit ihm ausreden und ihm erklären.

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Wenn der Aufmerksamkeitstopf leer ist…!

Ich habe euch vor einiger Zeit von der Urlaubswoche des Tigerpapas erzählt. Die Woche war chaotisch und unser Tiger (wie allgemein so schön gesagt wird) *mitten in der Trotzphase* und daher sehr schwierig.

Doch schauen wir uns die Woche und die Sache mit der Trotzphase doch genauer an! Der Tigerpapa startete richtig übermüdet dank laaaanger Arbeitswoche in den Urlaub, ich war dank Eisenmangel (wie ich danach erfahren habe) müde, antriebslos und sehr unmotiviert für alles. Wir haben uns die Woche einige Termine eingeteilt (Baby-Untersuchung, Augenarzt, Tierarzt mit unserem Odie, Friseur, wichtige Einkäufe im Baumarkt für den Garten) und gleichzeitig sehr viel im Garten gearbeitet. Die Wohnung war chaotischer als sonst und somit häuften sich unsere „Nein´s“ auch bei Dingen, die unser Tiger sonst darf.

Grundsätzlich wollen Kinder kooperieren. Kinder haben einen sehr ausgeprägten Sinn dafür, was gut für sie ist – und im Gegensatz zu uns Erwachsenen hören sie auch meist darauf. Wir Eltern sind es, die das Überleben unserer Kinder sichern und das wissen sie – Babys weinen nachts, da sie sicher sein wollen, dass die schützenden Eltern bei ihnen sind. Es entspricht also absolut nicht der Natur unserer Kinder, uns bewusst zu ärgern oder uns absichtlich wütend zu machen – ihr Überleben wäre dadurch schlichtweg gefährdet. Doch woran liegt es, wenn unsere Kinder plötzlich aus der Haut fahren, Dinge tun von denen sie wissen, dass sie nicht dürfen oder gar gefährlich sind oder uns scheinbar absichtlich provozieren.

Oftmals liegt sicher sehr viel konfliktpotential darin, dass Kinder und Erwachsene unterschiedliche Signale für die gleiche Sache aussenden bzw. erwarten. Einen eigenen Beitrag findet ihr hier:
*Provokantes Lächeln als Versöhnung*

Mindestens genauso oft liegt es aber an der fehlenden/falschen/negativen Aufmerksamkeit. Kinder sind auf unsere Aufmerksamkeit angewiesen – wir sind ihre größten Vorbilder und sie wollen von uns gesehen und gehört werden. Und nun möchte ich nochmal darauf zurück kommen, dass Kinder grundsätzlich kooperieren wollen. Und ich würde behaupten, dass gar nicht ihr Maß an Kooperationbereitschaft mit anhaltender, verlangter Kooperation sinkt, sondern dass es ihnen irgendwann, wenn der Aufmerksamkeitstopf leer ist, schlichtweg unmöglich ist, weiter zu kooperieren. Auch wir Erwachsenen können nur über einen gewissen Zeitraum kooperativ sein – vor allem, wenn unsere Kooperation dann nicht einmal richtig gesehen oder wertgeschätzt wird. Wenn Kinder also unaufhaltsam unsere Aufmerksamkeit (vor allem durch negatives Verhalten) fordern, liegt es wahrscheinlich daran, dass ihr Aufmerksamkeittopf leer ist und gefüllt werden möchte. Erst wenn wir uns unseren Kinder aufmerksam zuwenden, ihnen zuhören und Zeit schenken, können sie auch umgekehrt wieder kooperativ sein. Trotziges Verhalten ist kein Fehlverhalten unserer Kinder, sondern ein natürliches Verhalten in einer verzweifelten Situation. Es ist unsere Aufgabe zu hinterfragen, was das Kind momentan braucht.

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Ich glaube auch nicht daran, dass es Kinder mit einem größeren Topf gibt, als andere. Dass es Kinder gibt, wo der Topf länger gefüllt werden muss. Ich bin davon überzeugt, dass es Phasen sind – jedes Kind hat Phasen, in denen es mehr Aufmerksamkeit, mehr Zeit benötigt und das auch dementsprechend einfordert. Jedes Kind hat Phasen, in denen der Topf schneller geleert wird und länger braucht zum Auffüllen. Phasen, in denen das Kind sehr lange kooperieren kann und Phasen, in denen der Topf ein großes Loch zu haben scheint.

Nachdem die erste Hälfte der besagten Urlaubswoche in einem Desaster endete, ließen der Tigerpapa und ich am Donnerstag Abend dieser Urlaubswoche die Tage Revue passieren und änderten unseren Kurs. Freitag Vormittag stand unser Friseurbesuch noch an – danach ging es gleich mit dem Tigerpapa alleine in das Schwimmbad, denn unser Tiger liebt schwimmen. Ich kümmerte mich währenddessen um die Wohnung, um unserem Tiger seine gewohnte Selbstständigkeit zu ermöglichen. Samstag war der Tigerpapa unterwegs und so habe ich mir den ganzen Tag nur für den Tiger Zeit genommen – alleine der Weg in den Garten dauerte um die 2 Stunden, weil wir alles machten, was unser Tiger wollte (Züge bei den Bahnschranken abwarten, Feuerwehrautos schauen, durch verschiedene Wiesen laufen, Kreise mit dem Laufrad fahren,…). Wir waren den ganzen Tag im Garten und haben stundenlang Sand gespielt, gelesen, gesungen, gelacht und was der Tiger sonst noch so machen wollte. Diese zwei Tage gehörten ganz unserem Tiger – er durfte entscheiden, gespielt wurde nach seinen Regeln und vor allem haben wir uns nur ihm gewidmet. Wir haben unserem Tiger unsere volle Aufmerksamkeit und viel Verständnis entgegen gebracht. Und bereits nach den beiden Tagen hat sich unser Tiger verändert. Man merkte sofort, dass auch seine Kooperationsbereitschaft langsam wieder anstieg – sein Aufmerksamkeitstopf füllte sich mit jeder gemeinsamen Minute. Und auch seine Laune besserte sich zunehmend – seine Wutausbrüche wurden weniger, sein Durchsetzungswille völlig unwichtiger Dinge sank. Sein Lachen aus tiefstem Herzen kam wieder zurück, denn es gab keinen Kampf mehr. Und so konnten wir völlig entspannt noch 2 gemeinsame Tage zu dritt genießen und wieder mit frischer Energie in unseren Alltag zu zweit starten.

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Beginn der Trotzphase – oder schon mittendrin?!

Vorweg ist es mir wichtig zu sagen, dass ich den Begriff „Trotzphase“ nicht nur schlimm und abwertend, sondern auch schlichtweg als falsch empfinde – ich werden ihn daher oft durch den Begriff „Autonomiephase“ ersetzen. Leider hat sich der Begriff der Trotzphase so in der Gesellschaft eingefunden, dass absolut jeder weiß, was damit gemeint ist und daher kommt man um den Begriff leider kaum herum…

Grundlegend scheiden sich die Geister der Experten, wann denn nun die Autonomiephase beginnt. Einige schreiben über den Beginn um das 15.-18. Lebensmonat (wie z.B. Herbert Renz-Polster), wenn die ersten „Nein´s“ oder „Alleine machen“ von Seiten der Kinder kommen und sie sich nicht mehr so leicht davon ablenken lassen, andere (wie z.B. M.Montessori) schreiben die Hauptphase der Autonomie Kindern im Alter zwischen 30-36 Monate zu. Den Beginn der Autonomiephase mit etwa dem Beginn des dritten Lebensjahres festzusetzen, scheint mir ein guter Mittelwert.

Die ersten Bedürfnisse nach dem all bekannten „alleine machen“ hatte unser Tiger schon relativ bald, bestimmt vor dem zweiten Geburtstag. Ich persönlich sehe da aber noch nicht den Beginn der Trotzphase, sondern eben einfach den Wunsch, dass er jetzt immer öfter immer mehr Sachen alleine schaffen möchte – ein wichtiger Schritt in der Entwicklung. Im letzten dreiviertel Jahr wurden aber die „Nein´s“ des Tigers häufiger, intensiver und vor allem mit immer mehr Emotionen begleitet – gleichzeitig werden auch unsere „Nein´s“ häufiger, da wir ihm oft den Wunsch nach dem „alleine machen“ einfach nicht erfüllen können oder (ja, es kommt natürlich immer mal vor) manchmal einfach nicht wollen..

Letzte Woche hatte der Tigerpapa Urlaub und die Konfliktpunkte häuften sich – der Tiger ist es auch absolut nicht gewöhnt, dass er nicht uneingeschränkt meine Aufmerksamkeit hat. Oft ist es aber momentan so, dass unser Tiger Phasen hat, wo er absolut jeden Vorschlag, jede Frage von uns mit einem vehementen „Nein“ beantwortet… Schlagen wir ihm A vor, möchte er B – fragen wir, ob er A oder B möchte, will er garantiert C… Das kann auch schon mal beim Frühstück beginnen – nachdem das Marmeladebrot endlich gestrichen und essfertig ist (was sich auch schon manchmal als schwierig gestaltet), möchte unser Tiger unbedingt Wurst und Käse.. Unser Tiger will ins Freie gehen, aber anziehen (sogar wenn es nur um ein Shirt geht) zieht sich.. Jedes Wickeln wird zur Herausforderung, aber ohne Windel möchte er auch nicht sein und auf die Toilette/Töpfchen gehen erst recht nicht.. Er macht auch manchmal Dinge von denen er weiß, dass wir es nicht mögen.. Vor einigen Tagen nahm er sich einen Stein und rief vorher ganz laut: „Papa, ich schmeiße den Stein in die Wiese!“, wartete bis der Papa schaute und warf den Stein.

Wenn die Konfliktpunkte mehrere Tage die Überhand nehmen, wird es Zeit, auf unser eigenes Verhalten zu schauen! Ohne groß nachzudenken fallen mir auf Anhieb einige Punkte ein, die unsere Konfliktsituationen nicht besser machten. Wir arbeiteten letzte Woche natürlich viel im Garten, da haben wir wenig Zeit für unseren Tiger und er muss sich oft alleine beschäftigen, da er nicht überall mithelfen kann/will. Wir haben uns die Woche auch einige Arzttermine eingeteilt, da das gemeinsam einfach angenehmer ist und natürlich mussten auch für den Garten noch einige Dinge besorgt werden – einkaufen stand daher auch häufiger bzw. länger auf dem Programm. Dazu kommt noch, dass ich letzte Woche einfach nur k.o war/bin – man sah es der Wohnung auch schon deutlich an.. Das wiederum birgt ebenfalls viele Konfliktpotentiale! Damit unser Tiger konzentriert und selbstständig arbeiten kann, braucht er ein gewisses Maß an Ordnung, um Ablenkungen zu vermeiden. Wäscht er z.B. in der Spüle ab, funktioniert das nur, wenn er die Spüle wie gewohnt vorfindet. Befindet sich noch (zu viel) schmutziges Geschirr in und rund um die Spüle, tobt sich der Tiger natürlich aus und macht dann plötzlich Sachen, die er sonst nicht macht (ganze Schüsseln/Tassen mit Wasser einfach auf den Boden schütten, fängt an Geschirr zu schmeißen, etc.).. Ich möchte natürlich nicht, dass er noch mehr Chaos verbreitet, wenn das Chaos schon riesig ist und schlechte Laune ist somit vorprogrammiert. Andererseits bin ich nicht besonders geduldig, wenn ich müde und k.o bin.. Oft konnte man die Reaktionskette der schlechten Laune sehr gut beobachten – ich meckere unseren Tiger an (meist ungerechtfertigt!), er geht zu Papa und wütet dort und der Papa kommt mit schlechter Laune auf mich zurück. Sehr oft fängt der Tigerpapa die ganze schlechte Laune des Tigers aber auch einfach ab und deeskaliert damit die ganze Situation – ich bin ihm oft unsagbar dankbar dafür! Denn dann können wir alle ruhiger aus der Situation gehen. Funktioniert natürlich oft auch in die andere Richtung.

Grundsätzlich ist es natürlich völlig in Ordnung und absolut normal, dass auch ich bzw. der Tigerpapa einmal genervt sein dürfen und wir dann auch überreagieren. Der Tiger darf uns auch mal ungeduldig kennen lernen und sehen, dass es im Alltag eben Konflikte gibt. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt – ist der Tiger von uns genervt, darf er auch das deutlich zeigen. Auch wenn das alles in Ordnung ist und vielleicht auch wichtig, so müssen uns Erwachsenen zwei Dinge vor allem klar sein. Erstens: Unsere Kinder sind nicht an den Konflikten Schuld! Wir Erwachsenen tragen die Verantwortung für unser Verhalten und auch wir sind maßgeblich für die Grundstimmung der Situation verantwortlich. Es ist völlig normal, dass es nicht immer harmonisch sein kann, doch nicht unsere Kinder sind dafür verantwortlich, sondern wir selbst! Zweitens: Es liegt an uns, einen Weg nach draußen aus diesen Konfliktsituationen zu finden! Es fällt uns Erwachsenen oft schon sehr schwer, zurück zu unseren „normalen“ Emotionen nach einem Streit zu finden, wir dürfen nicht erwarten, dass das unsere Kinder besser können als wir! Auch wenn sich die Konflikte häufen, liegt der Schlüssel zur Veränderung an uns und nicht an den Kindern!

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Letzte Woche lag es ganz klar an dem Tigerpapa und mir, dass wir in dieser schwierigen Zeit für unseren Tiger die Konflikte abfangen oder ihn eben dadurch begleiten. Selten machen wir das beide „gut“, aber es reicht, wenn zumindest einer von uns ruhig bei der Sache bleibt und geduldig auf seine Bedürfnisse eingehen kann.

In den kommenden Beiträgen über die Autonomiephase möchte ich euch gerne zeigen, wie wir diesen Kreislauf der Konflikte letzte Woche durchbrochen haben, die Evolutionsbiologie hinter der Trotzphase, warum diese Phase auch für unsere Kinder so unglaublich schwierig und gleichzeitig wertvoll ist und auch, was andere Autoren darüber schreiben, bzw. euch einige Lösungsvorschläge zusammentragen und auch beschreiben, wie wir schwierige Situationen zu lösen versuchen – gleich vorweg, das funktioniert natürlich nicht immer, aber hinterher ist man immer schlauer und beim nächsten Mal kann man es anders machen *hehe*.

Hauen als Kommunikationsmittel

Unser Tiger ist ein unglaublich friedfertiges Kind – anderen Kinder würde er niemals körperlich etwas tun oder etwas wegnehmen. Allerdings hatten wir die letzten Wochen mit zwei Verhaltensweise von ihm Probleme, die uns vor große Rätsel stellten. Heute möchte ich euch gerne unsere „Problemsituationen“ und was dann im Endeffekt die Lösungen dafür waren, erzählen.

Unser Tiger liebt sein Rutschauto! Er hat es zum ersten Geburtstag von der Tigeroma bekommen und es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem er nicht damit durch die Gegend gefahren ist. Letztes Jahr auch draußen, seit er sein Laufrad hat, aber nur mehr in der Wohnung. Vor einigen Wochen hat es dann angefangen, dass er mich ständig mit dem Rutschauto über den Haufen fährt. Alle Erklärungen, dass ich das nicht möchte und dass es mir weh tut, waren vergebens.. Immer und immer wieder habe ich ihm ganz ruhig erklärt, dass er mich nicht umfahren darf – anfangs unglaublich ruhig. Mit der Zeit merkte ich aber, wie es mich zunehmend nervte, dass ich ständig auf der Hut sein musste, wenn er mit seinem Rutschauto unterwegs ist – barfuß tut es nämlich wirklich richtig weh, wenn man nicht damit rechnet. Ich fragte mich, was denn nur mit unserem sonst so vernünftigen kleinen Tiger los war… Eines Tages war ich dann müde, genervt (von den mehrmaligen sinnlosen Erklärungen) und unser Tiger fuhr mal wieder voll Schwung gegen meine nackten Füße, sodass ich ihm sagte, wenn er das jetzt nicht lässt, kommt sein Auto weg. Kaum war der Satz ausgesprochen, tat es mir unglaublich Leid! Wir vermeiden „wenn/dann“-Sätze soweit wie möglich und gedroht wird gar nicht bei uns.. So Leid es mir in dem Moment tat, so veränderte sich auch der Blick des Tigers. Er fuhr einfach davon. Nach ein paar Minuten, nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich zu ihm und entschuldigte mich.. Ich erklärte ihm, dass sein Auto nicht wegkommt, weil ich weiß, wie gerne er es mag – aber dass es mir doch wirklich weh tut und ich das Umfahren nicht möchte. Die kommende Woche fuhr er mich immer wieder um und sagte gleichzeitig irgendwie ängstlich: „Kommt das Auto weg?“. Natürlich kam es niemals weg, was ich ihm auch immer wieder versuchte zu sagen, aber eine ganze Woche dauerte es, bis er sich von diesem Satz erholt hat.. In dieser Woche achtete ich auch ganz genau, wann er mich niederfährt, was ich mache, was er macht, wie die gesamte Situation ist.. Und dann kam der Tag, wo plötzlich alles klar war! Unser Tiger fuhr mich wieder über den Haufen, ich kniete mich zu ihm und fragte ihn, ob er kuscheln möchte. Er sprang auf und kuschelte sich zu mir, den restlichen Tag gab es keine Probleme mehr mit dem Rutschauto! Seitdem fährt er mich zwar trotzdem regelmäßig über den Haufen, grinst und fragt gleich „Mama kuscheln“, was wir dann auch machen!

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Ein ähnliches Problem hatten wir beim Essen. Unser Tiger fing oft nach kurzer Zeit an, mit dem Besteck gegen den Tisch zu schlagen – unser Vollholztisch schaut dementsprechend aus… Auch hier waren Erklärungen jeglicher Art sinnlos und oft wussten wir uns nicht anders zu helfen, als dass wir das Besteck zur Seite legten – die „Lösung“ war natürlich alles andere als zufriedenstellend für uns alle! Und so achtete wir wieder darauf, wann unser Tiger das macht und wie die gesamte Situation momentan ist – so kamen wir auch hier schnell auf das Problem, das eigentlich hinter seinem Verhalten liegt. Wir fragten ihn einfach mal, ob er Hilfe beim Essen braucht und er streckte sein Besteck dem Tigerpapa entgegen und strahlte. fMeistens fing er zum Herumhauen an, wenn wir alle gemeinsam zu Abend gegessen haben – ich vermute, dass er dann einfach durch die Gespräche nebenbei überfordert war. Wir bezogen ihn auch immer ins das Gespräch mit ein und so blieb das Essen oft etwas hinten. Seit wir ihm helfen, wurde das Hauen mit Besteck immer seltener.

Unsere Kinder legen oft Verhaltensweise an den Tag, die für uns Erwachsene einfach unverständlich sind. Obwohl unser Tiger wirklich sehr gut spricht, kann er immer wieder mal Bedürfnisse nicht mit Worten ausdrücken und weicht daher auf eine andere Kommunikationsform aus. Oft ist es wirklich schwierig, bis man bemerkt, was dahinter steckt und was er uns eigentlich mitteilen möchte – und der genaue Blick lohnt sich auf alle Fälle!

Trotz allem habe ich langsam aber sicher das Gefühl, dass wir in die „Phase des Ungehorsams“ bzw. von der Gesellschaft leider „Trotzphase“ genannt, rutschen. Ich habe mich daher die letzten Wochen intensiv damit beschäftigt (dadurch wurden auch unsere zwei genannten Situationen klarer) und werde euch demnächst mehr darüber erzählen!

Ein (provokantes) Lächeln zur Versöhnung?

Jeder kennt die Situation – man bittet ein Kind, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen und das Kind grinst frech zurück oder lacht uns aus. Wir als Eltern fühlen uns davon oft provoziert und werden wütend – das Kind kann allerdings mit unserer Reaktion ebenso wenig umgehen, wie wir mit ihrer und so spitzt sich die Situation zu.

Wenn man allerdings evolutionsbiologisch einige Jahre zurück schaut, findet man bereits ähnliche Situationen und dieses Verhalten. Bei Affen kann man dieses Verhalten auch heute noch sehr gut beobachten. Es ist auffallend, dass sich nach einem Machtkampf der Geschlagene mit einem fröhlichen, ja fast lachenden Gesicht zurück zieht.
Unsere Kinder wollen uns in dieser Situation also weder ärgern noch provozieren, sondern wollen uns mit ihrem Lächeln milde stimmen, die Situation entschärfen oder sogar um Verzeihung bitten. Kinder sind unter 3 Jahre noch keinesfalls in der Lage, uns absichtlich zu provozieren. Für dieses Verhalten ist ein gewisses Maß an Empathie erforderlich und dieses entwickelt sich erst im Alter von 3 bis 6 Jahren. Davor reagieren Kinder instinktiv und es entspricht nicht der Natur von Kindern, ihre Bezugspersonen (die für ihr Überleben entscheidend sind) bewusst zu provozieren und zu verärgern. Fraglich ist für mich allerdings, warum wir im Laufe der Evolution irgendwann angefangen, dieses Verhalten falsch zu interpretieren und uns dadurch sogar angegriffen fühlen…

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie wichtig dieses Wissen für das Verständnis des Kindes ist. Auch wenn es nicht immer einfach ist, versuche ich mir im Hinterkopf zu halten, dass der Tiger mich mit seinem Verhalten niemals bewusst provozieren möchte. Es lassen sich dadurch einige Konflikte bereits von vorn herein vermeiden.

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Es gibt einen ausführlicheren und wirklich großartigen Artikel dazu im Blog „gewünschtestes Wunschkind“ (wirklich sehr empfehlenswert!):
http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/10/freches-grinsen-oder-lachen-bei-kindern-warum-das-beschwichtigen-statt-provozieren-soll.html