„Geborgen wachsen“ von Susanne Mierau

Die letzten Wochen war ich mit dem Buch von Susanne Mierau „Geborgen wachsen – Wie Kinder glücklich groß werden“ beschäftigt. Ich habe bereits davor viel Gutes von diesem Buch gehört und so war ich schon sehr neugierig und freute mich sehr auf das Lesen.

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Verbunden von Anfang an
Im ersten Kapitel geht Susanne Mierau darauf ein, was Bindung eigentlich ist und wie sie zu Stande kommt bzw wie sie entsteht. Es wird die Bindung bzw. Stress in der Schwangerschaft und auch die unterschiedlichen Bindungsarten beschrieben. Dabei geht es nicht nur um die Bindung zwischen der Mama und ihrem Kind, sondern es wird auch auf das wichtige Thema der väterlichen Bindung und die Bindung der Geschwisterkinder eingegangen.

Geborgen gebären, geborgen ankommen
Im zweiten großen Kapitel geht Susanne Mierau auf das Loslassen in der Schwangerschaft ein und gibt Tipps für die Vorraussetzungen für eine geborgene Geburt – dabei wird auch kurz auf die hormonelle Umstellung eingegangen, welche beim Geburtserlebnis sehr wichtig ist. Auch die Väter und die Geschwisterkinder kommen in dem Kapitel wieder nicht zu kurz, was ich persönlich als sehr wichtig empfinde. Frau Mierau geht auch etwas ausführlicher darauf wenn, wenn die Geburt nicht „nach Plan“ verläuft, behandelt das Thema der Kaiserschnitt-Geburten und hat auch eine kleine Liste mit Punkten zur Hilfe der Verarbeitung der Geburt erstellt. Abschließend wird noch das erste Kennenlernen behandelt – auch hier war für mich persönlich wieder der Bezug auf die Geschwisterkinder sehr wichtig und in unserem Fall natürlich auch sehr hilfreich und aktuell.

Das Kind verstehen – Signale erkennen und bindungsorientiert beantworten
Dieses Kapitel ist vielleicht eines der am schwersten umsetzbaren Themen – vor allem beim ersten Kind.. Es wird, wie schon in der Überrschrift erwähnt, auf die Signale des Kindes eingegangen. Unterkapitel wie zuhören, beobachten und mit dem Baby sprechen sind hierbei essentiell. Susanne Mierau geht in dem Kapitel aber dann auch auf die älteren Kinder ein – wenn Kinder anderer Meinung sind als die Eltern und wie man mit solchen Konfliktsituationen umgehen kann.

Bindung findet im Alltag statt

„Es gibt keine direkte Anleitung für bindungsorientiertes Leben, keine Patentrezepte, die immer und sofort bei jedem Kind helfen. Es gibt nur die immer wieder bestehenden Aufgaben, feinfühlig zu sein, Empathie zu zeigen und versuchen zu verstehen, was das Kind warum möchte. Verständnis und Feinfühligkeit sind die Grundlagen der Erziehung – auch wenn wir den Bedürfnissen nicht immer nachkommen können.“*

In diesem Kapitel geht es um die alltäglichen Dinge – allen voran das Schlafen. Das Thema „Essen“ behandelt Susanne Mierau sehr ausgiebig und geht dabei immer auf „beide Seiten“ ein – also Stillen und Flaschennahrung, Brei und Fingerfood, ect. Sie gibt gute Ratschläge für ein harmonisches Miteinander am Esstisch und warum Zwang beim Essen absolut fehl am Platz ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Körperpflege. Wie verwenden sehr viel Zeit mit der gemeinsamen Körperpflege und sollten diese Zeit daher nicht als Selbstverständlich sehen, sondern zu schätzen lernen und vor allem sehr respektvoll dabei mit den Kindern umgehen. Abschließend wird noch das Thema Mobilität behandelt – Kinderwagen oder lieber tragen und warum das Kind dann doch alleine laufen möchte.

Verwöhnen, Grenzen setzen und das familiäre Umfeld

„Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet nicht Laissez-faire, denn es gibt wohlüberlegte Grenzen, die ihren Sinn haben. Die Grenzen, die wir festlegen, ergeben sich aus natürlichen Notwendigkeiten und können (und sollen) den Kindern gegenüber begründet werden.“*

Ein sehr kurzes Kapitel darüber, dass man Kinder mit Liebe nicht verwöhnen kann, es keine zu sichere Bindung gibt und über das Loslassen und gleichzeitig da sein – Wurzeln und Flügel schenken. Kurz wird auch auf Grenzen eingegangen und einige Überlegungen der Autorin selbst beschrieben. Weiters behandelt das Kapitel auch die Wichtigkeit anderer Bezugspersonen und wie man auf einen Nenner kommen kann. Auch das in der heutigen Gesellschaft große Thema „fordern oder fördern“ wird kurz und prägnant abgehandelt und auf die Wichtigkeit der Freiräume eingegangen. (Ich persönlich hätte mir dieses Kapitel etwas ausführlicher gewünscht *hihi*).

Glückliche Eltern, glückliche Kinder?
Das letzte Kapitel macht deutlich, wie wichtig jeder einzelnen in der Familie ist und dass das Glück voneinander abhängt. Es wird auch ganz deutlich hervorgehoben, dass wir als Eltern nicht perfekt sein müssen, sondern dass gut genug ausreichend ist – Kinder sogar davon profitieren. Auch die wichtige Zeit für sich selbst und auch die Zeit zu zweit mit dem Partner wird zum Schluss noch beschrieben. Ein wichtiges Thema für mich persönlich, mit dem ich regelmäßig zu kämpfen habe, ist das schlechte Gewissen, wenn es mal nicht so läuft. Susanne Mierau schafft es, sich selbst etwas Druck zu nehmen, manchmal das schlechte Gewissen als positive Anregung zu sehen und bei Dingen, die wir nicht ändern können, das schlechte Gewissen hinter sich zu lassen.

Schlusswort
Das Schlusswort fasst noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen und macht noch einmal deutlich, dass es nicht den einen Weg der bindungsorientierten Elternschaft gibt, sondern dass jede Familie einen eigenen Weg finden muss, der eben zur Familie passt.

„Bleiben unsere Augen offen und unsere Herzen bereit, unseren Alltag immer wieder neu aus der Kinderperspektive zu betrachten, haben wir damit die einzige wirklich wichtigen Zutaten für ein geborgenes Aufwachsen gefunden.“*

*aus dem Buch „Geborgen wachsen – wie Kinder glücklich groß werden“ von Susanne Mierau

Mein persönliches Fazit
Grob zusammengefasst ist das Buch wie auch der gleichnamige Blog „geborgen wachsen“ von Susanne Mierau schlichtweg großartig. Ihr Buch liest sich sehr leicht und locker und gibt eine umfangreiche Basis zum Thema der bindungsorientieren Elternschaft wider. Das Buch richtet sich an alle, die in irgendeiner Form mit Kinder zu tun haben und behandelt alle wichtigen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten frühen Jahre der Kindheit. Susanne gibt mit ihrem Buch keine konkreten Vorschläge, wie bindungsorientierte Elternschaft auszusehen hat, sondern stellt das zu Grunde liegende Konzept dar – wie sich Bindung entwickelt und Kinder mit Hilfe einer sicheren Bindung zu den Eltern (oder anderen Bezugspersonen) zu selbstbewussten und glücklichen Erwachsenen heranreifen können.

Susanne ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, welches die wichtigsten Themen aufgreift ohne dabei auszuarten oder um die Sache herum zu schreiben – alle Themen werden kurz und auf das Wesentliche begrenzt beschrieben. Für mich persönlich dürfte es an einigen Stellen ausführlicher sein, da ich sehr an der Thematik interessiert bin.

Allerdings muss ich auch erwähnen, dass sich manche Kapitel etwas „zu leicht“ lesen. Vor allem das Kapitel zum Thema „Schlaf“, welches ja durch *das erste Schlaf – Jahr des Tigers* ein Thema ist, welches mir immer wieder schwer im Magen liegt, hört sich sehr einfach an.. Schaffe dem Kind einen ruhigen und harmonischen Schlafplatz, gib ihm viel Liebe und das Kind wird schlafen. Klar ist das ein wesentlicher Bestandteil guten Schlafs, aber so einfach fühlt es sich aber in der Realität mit Kinder dann doch nicht an (das ist jetzt natürlich etwas überspitzt formuliert!).

Dennoch kann ich aber das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich mit seinen (oder anderen) Kindern auseinander setzen und den Weg gemeinsam mit den Kindern bindungsorientiert gehen möchte. Susanne ist mit diesem Buch sicherlich ein Meisterwerk zu diesem großes Thema gelungen und ich freue mich schon sehr auf ihr zweites Buch, welches gerade in Arbeit ist.

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