35. SSW – Geburtsbericht des Tigers

Nachdem ich euch letzte Woche erzählt habe, wie ich es letzt endlich geschafft habe, mein Geburtstrauma zu überwinden *klick*, lasse ich euch heute an dem Geburtsbericht des Tigers teilhaben. Die letzten Wochen beschäftigte ich mich ja mit dem großen Thema der Geburt. Da die Geburt des Tigers so ganz anders gelaufen ist, als „geplant“, wurde mir empfohlen, mich mit einem Geburtsbericht mit der damaligen Situation auseinander setzen – das wollte ich gerne versuchen. Der Bericht ist für mich selbst gedacht und soll mir helfen alles noch einmal Revue passieren zu lassen, was ich noch in Erinnerung habe. Lange habe ich überlegt, ob ich den Beitrag überhaupt veröffentlichen sollte.. Ich habe mich jetzt doch dafür entschieden, da der Beitrag letzte Woche der Artikel mit den zweit-meisten Aufrufen (gleich nach den *Free Printables*) überhaupt geworden ist und ich denke, dass das Thema dann doch viele beschäftigt und vielleicht der einen oder anderen hilft.

Es ist Mittwoch, etwa 2:15 Uhr – ich muss auf die Toilette und stehe auf und mit einem Platsch stehe ich im Nassen, ein zweiter Platsch beim nächsten Schritt Richtung Lichtschalter. Ich schalte das Licht ein und bin völlig desorientiert.. Ganz schön viel Fruchtwasser.. Ich stehe neben dem Lichtschalter und sage laut: „Schatz,…“ Was ich sonst noch sage, um den Tigerpapa zu wecken, kann ich mich nicht mehr erinnern.. Ich weiß noch, wie er mich ratlos ansieht und fragt: „Und was machen wir jetzt?“. Ich gehe mal auf die Toilette, ich muss ja noch immer. Zurück im Schlafzimmer liegt der Tigerpapa mit seinem Tablet im Bett und googelt, was wir machen sollen – ich rufe einstweilen meine Hebamme an. Sie sagt zu mir, dass ich mich wieder ins Bett legen soll, noch bis in der Früh schlafen und dann nach dem Frühstück zu ihr ins Geburtshaus kommen soll. Ich erkläre ihr, dass ich jetzt unmöglich schlafen kann und dass sich der Tigerpapa Gedanken macht wegen Infektionen, etc.. Na dann sollen wir eben kommen – also geht es ab ins Auto und zu ihr in das Geburtshaus. Wir parken und spazieren hinein. Ich habe Hunger – meine Hebamme rät mir vom Essen ab, doch ich bestehe darauf und deswegen macht sich der Tigerpapa noch auf den Weg zur Tankstelle und kommt mit Essen zurück. Ich weiß gar nicht mehr, was ich gegessen habe.. Ich glaube ein Weckerl.. Währenddessen untersucht mich meine Hebamme und es wird ein Einlauf gemacht. Da das Geburtshaus nur 3 Zimmer hat und alle belegt waren (2 Mütter mit Babys, eine Praktikantin), müssen wir im Geburtsraum bleiben – wir sollen noch etwas schlafen und die Hebamme lässt uns alleine. Kaum ist sie weg spüre ich, wie langsam Wellen durch meinen Körper schwingen, ganz leicht, ganz sacht, aber doch deutlich spürbar, sodass an Schlaf nicht zu denken war. Mit der Uhr vor Augen ziehen sich die kommenden 4 Stunden unendlich lange hin und gegen 7:30Uhr stehen wir müde auf, vor allem wegen der Aufregung. Zum Frühstück trinke ich ein paar Schlücke Tee, mehr schaffe ich nicht. Danach untersucht mich die Hebamme noch einmal und schickt uns dann spazieren. Da ja allgemein bekannt ist, dass man nach einem Blasensprung ja nur noch liegen soll, vor allem wenn das Baby noch nicht fest im Becken liegt, habe ich sie darauf angesprochen. „Sie kann sich nicht vorstellen, dass es so viel Fruchtwasser war und außerdem wird das ja wieder nachproduziert – alles nicht so tragisch..“ Na gut, man verlässt sich ja auf die Hebamme und so spazieren wir los. Die Wellen werden kontinuierlich stärker, aber absolut erträglich. Wir gehen noch einkaufen, gegen Mittag bitte ich aber den Tigerpapa, dass wir wieder zurück gehen – ich spüre, dass bald die Zeit kommt, wo ich die Wehen veratmen muss.. Wir gehen zurück in das Geburtshaus, mittlerweile nicht mehr ganz so locker. Die Hebamme untersucht mich wieder, doch bis jetzt hat sich noch nichts getan. Wir dürfen einstweilen das Zimmer der Praktikantin beziehen und ich mache es mir auf einem Ball gemütlich. Die Wehen werden stärker und regelmäßig – ich beginne, jede einzelne Wehe zu veratmen und habe einen sehr guten Rhythmus gefunden und kann auch Wehenpausen gut nutzen. Der Tigerpapa massiert meinen Rücken, ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir noch viel miteinander geredet haben. Ich muss mich das erstes Mal übergeben und die Hebamme freut sich, denn es soll ja anscheinend ein gutes Zeichen sein, dass die Geburt voran schreitet. Um etwa 15 Uhr die nächste Untersuchung – noch immer tut sich nichts. Unsere Hebamme schickt uns zum Treppen steigen – die Wehenabstände waren nun schon sehr kurz und ich hatte nur wenige Wehenpausen. Und so gehen wir die Treppen langsam auf und ab – noch funktioniert das Veratmen der Wehen sehr gut, doch die fehlenden Wehenpausen machen mir zu schaffen. Wir gehen zurück, ich lege mich etwas hin, die Hebamme massiert mich. Mittlerweile habe ich mich schon öfter übergeben müssen, ich kann keinen Schluck Wasser bei mir behalten… Ich merke, wie meine Kraft weniger wird und mittlerweile habe ich gar keine Wehenpausen mehr.. Die Hebamme schlägt mir ein Bad vor und so geht es nun ins Badezimmer. Ich werde ermutigt, diese ganze Geburtsphase mehr zuzulassen. Ich hab keine Ahnung, ob es wirklich so war, doch ich habe in Erinnerung, dass ich mehr Schreien sollte und lasse mich von meiner Hebamme leiten – irgendwie fühle ich mich sehr unwohl, meine Hände und Beine kribbeln, die Schmerzen überrennen mich.. Ich bin müde, kraftlos und finde durch die fehlenden Wehenpausen keine Möglichkeit, irgendwie wieder Kraft zu sammeln.. Ich gehe wieder aus der Wanne heraus, keine Ahnung, wie lange ich gebadet habe. Danach werde ich wieder untersucht – die Hebamme war sich nicht sicher, entweder ist der Muttermund 3cm offen oder noch gar nicht. Sie sagt irgendwas von einer Falte und dass sie es nicht genau sagen kann.. Sie geht.. Ich frage beim Tigerpapa noch einmal nach, was sie gesagt – ich will es nicht glauben, dass sich möglicherweise noch gar nichts getan hat. Der Tigerpapa wiederholt ihre Worte, ich verzweifle..

Noch immer Mittwoch, etwa 18:30 Uhr. Wir sitzen im Auto auf dem Weg in das nächste Krankenhaus. Der Tigerpapa fährt, ich sitze hinten mit meiner Hebamme. Eine Wehe nach der andere rollt über mich, ich fühle mich leer. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich mich wunderte, wie der Tigerpapa so ruhig und langsam(!!) fahren kann und wie die Hebamme zu mir sagt: „Wir sagen dort im Krankenhaus einfach, dass der Blasensprung erst um 5 Uhr war!“ Ich glaube, ich protestiere, ich weiß es aber nicht mehr genau. Ich weiß auch nicht, was sie dann wirklich gesagt hat.. Der Tigerpapa lässt unsere Hebamme und mich beim Eingang des Krankenhauses aussteigen und parkt. Ich war in dem Krankenhaus noch nie.. Ich erinnere mich noch an die gefühlt ewig lange Liftfahrt, obwohl es nur zwei Stockwerke sind – ich habe es kaum mehr aus dem Lift geschafft. Der Tigerpapa kommt nach. Wir gehen in den Kreissaal – 19 Uhr Schichtwechsel. Ich ziehe mich um, vermutlich habe ich Hilfe dabei und lege mich auf das Bett. Durch den Schichtwechsel sind viele Leute im Raum. Ich habe es sehr chaotisch und laut in Erinnerung – meine Hebamme erzählt von den vorangegangenen Stunden. Der Tigerpapa liest sich die Papiere u.a mit den ganzen Geburtsrisiken durch – er soll auch unterschreiben, da mir das nicht mehr zugetraut wurde, ich weiß aber nicht, ob er es auch gemacht hat. Die Wehen geben mir nach wie vor keine Pausen zum Erholen. Ich werde untersucht – 3cm Muttermund.. Sie (wer auch immer) hängen mich an den Wehentropf und es wird mir gut zugeredet, dass es jetzt schneller gehen könnte – ich habe aber bereits aufgegeben.. Ich habe auch immer wieder gesagt, dass ich nicht mehr kann und nicht mehr will.. Es wird über die PDA gesprochen, der Tigerpapa will mir abraten, da seine Schwägerin nach der PDA unglaubliche Probleme hatte. Doch es ist mir egal, ich kann nicht mehr. Der Arzt für die PDA kommt, der Tigerpapa soll wieder alle Risiken unterschreiben – er hat mir hinterher erzählt, dass er das nicht unterschrieben hat. Der Arzt lässt sich die Situation/meine Situation erklären und dann kommt ein Satz von ihm, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, auch heute habe ich ihn noch ganz klar im Ohr. Mit abwertenden Ton sagt er: „Erst 3cm und schon solche Schmerzen!?“.

Die PDA wird gelegt, der Tigerpapa macht sich große Sorgen. Doch bereits nach wenigen Minuten spüre ich Erleichterung – der Schmerz der Wehen geht deutlich zurück auf ein leicht aushaltbares Ausmaß. Völlig kraftlos liege ich im Bett. Meine Hebamme verabschiedet sich von mir und fährt – es ist mir in dem Moment egal.. Die Zeit verstreicht. Ich kann mich hinterher nicht mehr erinnern, wie wir die kommenden 3 Stunden verbracht haben. Der Tigerpapa hat mir danach erzählt, dass wir geredet haben, ich mich etwas ausrasten konnte, aber nicht geschlafen habe und dass ich mich noch mehrmals übergeben musste..

Mittwoch 23 Uhr, der Muttermund ist geöffnet, es geht in die Endphase. Ich setze mich auf den Geburtsstuhl. Doch da ich die Presswehen kaum spüre, wird die PDA abgedreht. Innerhalb weniger Minuten sind die Schmerzen wieder da – diesmal allerdings mit Pausen. Ich bin restlos überfordert – ich habe nicht mehr mit so intensiven Schmerzen gerechnet, niemand hat mich vorgewarnt.. Die Herztöne des Tigers sinken ab – ich muss lange Pause zwischen den Presswehen machen, damit sich unser Tiger zwischen wieder erholen kann. Unser Tiger scheint ebenso kraftlos und müde zu sein, er hilft nicht mehr mit. Ich bekomme eine Glukose-Lösung, da ich noch immer keinen Schluck Wasser bei mir behalten kann. Die Zeit zieht sich. Wir sind alle müde. Die neue Hebamme macht Musik und bringt dem Tigerpapa Kaffee. Ich nehme immer wieder verschiedene Stellungen ein, die mir die Hebamme rät, damit sich der Tiger besser in das Becken dreht bzw. die Schwerkraft mithelfen kann. Wann immer es von den Herztönen des Tigers geht, presse ich. Freunde von uns kommen zum Krankenhaus und entführen den Tigerpapa – es war noch immer reichlich Zeit.. Der Tigerpapa kommt nach einer halben Stunde wieder, ich rieche Rauch – ihn nimmt das alles sehr mit (er raucht seit 6 Jahren nicht mehr!). Dann geht es langsam doch in die heiße Phase – ich soll nach unten greifen und das Köpfchen fühlen, doch ich möchte nicht. Es bedarf noch einige Presswehen, bis unser Tiger dann letztendlich geboren ist.

Donnerstag, 1:04Uhr. Der Tiger wird auf meinen Oberkörper gelegt und zugedeckt. Er ist etwas bläulich im Gesicht, ich kann mich nicht erinnern, ob er weint. Ich streichle seine Hand, doch mein vorrangiges Gefühl ist einfach nur Erleichterung, dass alles vorbei ist! Ich fühle mich leer und müde. Die Plazenta löste sich ohne Probleme und verteilt nochmal viel Blut im Kreislauf beim spontanen Abgang. Fragt man den Tigerpapa heute nach der Situation, sagt er: „Hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld!“. Meine Geburtsverletzungen werden behandelt. Danach wird der Tiger vermessen, gewogen und nochmal mitgenommen, da er immer noch etwas bläulich ist – die Hebamme kommt aber bald darauf zurück und die Hautfarbe hat sich normalisiert. Ich soll den Tiger anlegen – der Tigerpapa und ich sind restlos überfordert mit diesem kleinen Wesen, wir wissen nicht, wie wir es angreifen sollen *haha*. Trotz unserer Unfähigkeit trinkt unser Tiger – der Tigerpapa und ich bekommen noch eine Kleinigkeit zu essen. Mir wird strengstens verboten alleine aufzustehen wegen des hohen Blutverlust und ich werde mit dem Tiger in unser Zimmer gefahren. Der Tigerpapa fährt nach Hause – ich kann mir gar nicht vorstellen, welches Gefühl das sein muss, nach solch einem Tag alleine nach Hause zu fahren.. Der Tigerpapa hat auch niemals darüber gesprochen.. Bald darauf kommt die Nachtschwester und spricht mich scharf an, dass ich mein Baby doch nicht nackt (bzw. mit Windel bekleidet) ins Bett legen kann und zieht dem Tiger (ich habe es fast schon grob in Erinnerung) einen Body über und geht..

Etwa 4 Uhr.. Der Tiger und ich sind das erste Mal alleine. Im Gang brennt Licht, es beleuchtet auch unser Zimmer leicht. Ich liege mit dem Tiger gemeinsam im Bett unter einer Decke. Im dunklen Licht schaut mich unser Tiger mit großen Augen an, er sieht zum ersten Mal seine Mama – voller Liebe, voller Neugierde. Wir haben es gemeinsam geschafft. Dieser Moment ist magisch und wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Nach wenigen Minuten schlafen wir ein…

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2 Kommentare zu “35. SSW – Geburtsbericht des Tigers

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