..über meine Vergangenheit und unsere Zukunft..!

Es heißt immer, Kinder suchen sich ihre Eltern selbst aus! Dass ich mir meine Mama ausgesucht habe, da zweifle ich keine Sekunde und es war die beste Entscheidung meines Lebens! Dass ich mir aber auch meinen Papa ausgesucht haben sollte, das bezweifelte ich schon oft – vermutlich war er eben bei meiner Mama einfach mit dabei..

Die Geschehnisse der letzten Wochen/Monate lassen mich diese Woche intensiv (recht untypisch) zurück in die Vergangenheit wandern.. Ich denke oft abends beim Einschlafen oder während den Einschlafbegleitungen über früher nach – vor allem denke ich viel über die Beziehung zu meinen Eltern – vorrangig zu meinem Papa – nach.

Als Kind musste ich schon früh Enttäuschungen seitens meines Papa lernen – als Scheidungskind bestimmt kein Einzelschicksal.. Was ich aber sehr spannend finde, ich weiß, dass es viele Enttäuschungen gegeben hat, doch ich kann dieses Gefühl nicht mehr nach empfinden.. Wenn mich mein Papa einfach sitzen gelassen hat, weil er wieder mal nicht gekommen ist, hatte ich sicher negative Gefühle, doch ich spüre sie nicht mehr.. Was ich hingegeben sehr stark fühle, ist die Freude darüber, wenn mich mein Papa abgeholt hat und wir Zeit miteinander verbracht haben. Ich wurde von ihm oft und in unterschiedlichster Weise enttäuscht, doch ich habe niemals gelernt damit umzugehen, sondern hatte mir bereits offensichtlich als Kind eine erfolgreiche Verdrängungsstrategie zugelegt. Wenn ich meine Kindheit mit meinem Papa Revue passieren lasse, empfinde ich sehr viel Freude und habe viele schöne Erlebnisse im Kopf – jegliche negative Gefühle habe ich einfach ausgeblendet, obwohl ich weiß, dass es sie gegeben hat!

Das ganze hat sich dann aber doch in der Jugendzeit geändert und komischerweise empfinde ich sehr viele negative Gefühle, wenn ich an diese Zeit zurück denke – vermutlich sogar weit mehr Negatives als Positives, was es aber natürlich auch gegeben hat.. Mittlerweile glaube ich, dass sich die Waage sehr gut hält. Obwohl es doch die letzten Jahre so war, dass ich bei Enttäuschungen keine negativen Gefühle empfand, sondern Gleichgültigkeit und mich einfach freute, wenn dann von meinem Papa etwas Positives kam.

Wie aber so viele Menschen glauben, ihre Kinder müssen auf Enttäuschungen und Rückschläge im Leben vorbereitet werden und das bereits als Kind lernen, so müsste es doch sein, dass ich bestens auf das harte Leben vorbereitet bin. Doch ich kann sagen, dass mich die frühe Anzahl an Enttäuschungen nicht stark oder selbstbewusst gemacht, sondern mich erfolgreich in eine Umgehungsstrategie mancher Gefühle geführt haben. Aber ich mache meinem Papa keinen Vorwurf, jeder gibt in seinem Leben das Beste und macht, was er kann – jeder setzt seine Prioritäten und hat auch seine Gründe dafür, das ist völlig in Ordnung. Ich bin froh, immer einen Menschen an meiner Seite gehabt zu haben, der mich durch alle schwierigen Situationen seit meiner Kindheit an begleitet hat und noch immer begleitet, denn meine Mama war/ist immer für mich da, auch wenn es für sie auch nicht immer einfach war!

Die letzten Monate hat sich durch den Schicksalschlag meines Papas sehr viel verändert – ich habe für ihn mich und meine eigene, kleine Familie vernachlässigt, meine Bedürfnisse und somit auch die Bedürfnisse des Tigers und die des Bauchzwergs hinten angestellt. Ich habe die letzten Monate mein Bestes gegeben, um alles am Laufen zu halten, mich um meinen Papa zu kümmern und alles unter einen Hut zu bringen.. Ich bin bei vielen Dingen über meinen Schatten gehüpft und habe viel Zeit, die ich mit dem Tiger verbringen sollte, am Telefon, im Auto oder im Krankenhaus verbracht. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, an dem mich das alles mehr als nur belastet und somit ist es Zeit für eine Entscheidung, denn ich leide unter der Situation und meine Familie, die mir das aller Wichtigste ist, leidet ebenfalls darunter..!

Oft denke ich darüber nach, in wie weit die letzten Monate Einfluss auf unseren Bauchzwerg nehmen – wie viel das Unterbewusstsein aus dieser Zeit mitnimmt, wie sehr das Baby die Belastung seit Beginn der Schwangerschaft an spürt. Und natürlich mache ich mir Gedanken über unseren Tiger – er war/ist es, der meine Launen, meine Verzweiflung, meinen Stress, meine Abwesenheit (wenn auch nicht immer körperlich) die letzten Monate aushalten musste, der am meisten zurückstecken und auf viel wertvolle Zeit mit mir verzichten musste. Der gestrige Tag, aber vor allem das Verhalten des Tigers gestern haben mir gezeigt, dass unser Weg so nicht weitergehen kann – er hat sich nach außen hin so verhalten, wie ich mich innerlich fühle! Und daher ist es höchste Zeit, dass ich nun die Entscheidung treffe, über die ich mir schon einige Zeit Gedanken mache und daran ohne schlechten Gewissens festhalte, ganz egal was andere sagen oder denken – denn es ist die richtige für mich und meine Familie!

Ich hoffe, dass auch mein Papa irgendwann sagen wird, dass er mir keinen Vorwurf macht und mich versteht. Dass er sieht, dass ich mein Bestes gegeben habe, aber dass das einfach nicht reicht.. Ich bringe nicht alles unter einen Hut, weder was meine Energie, noch meine Zeit betrifft und daher ist nun die Zeit gekommen, in der auch ich meine Prioritäten neu setzen muss..!

2016-06-30_01

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7 Kommentare zu “..über meine Vergangenheit und unsere Zukunft..!

  1. Ich hoffe auch, dass dein Papa es verstehen wird. Die eigenen Kinder und der eigene Bauchzwerg sind einfach wichtiger!
    Die eigenen Eltern werden es verstehen, auch wenn es vielleicht etwas Zeit braucht.
    Du triffst immer die richtige Entscheidung, wenn du dich für deine Kinder entscheidest!!!

    Ganz liebe Grüße und viel Kraft
    Sabrina

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  2. Liebe Ricarda!
    Ich bewundere dich für deinen Mut und dafür, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast! Als Mutter braucht man so viel Kraft und Energie und es ist sehr verantwortungsbewusst von dir, deine Grenzen zu achten und das so zu kommunizieren. Am Ende profitieren alle von deiner Entscheidung und für deinen Papa gibt es auch anderweitig Unterstützung, ganz bestimmt!!!! Ich schicke dir ganz viel Kraft!!!! Ich wünschte einige Personen aus meiner Familie würden es ebenfalls schaffen wie du zu handeln. Dazu schreibe ich dir demnächst ausführlicher!!!
    Ganz liebe Grüße,
    Gertraud

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  3. Nur Mut du schaffst das auch wenn viele deine Entscheidung kritisieren oder nicht verstehen aber wenn es mal heraus ist und die Worte gesagt sind fühlt man sich so viel leichter. Es ist deine Entscheidung und keiner hat das Recht dich da für zu verurteilen.

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