Und tägliche grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 2

Vor über einem Monate habe ich euch im Zuge meiner kurzen Schlafserie über unsere Nächte erzählt:
Und täglich grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 1

Momentan hat unser Tiger eine ganz intensive Mama-Phase und das wirkt sich auch immer auf unseren Schlaf aus! Mehrmals in der Nacht wird er wach und vergewissert sich, ob ich da bin – teilweise fragt er jede Stunde nach mir! Aber es reicht oft, wenn ich ihm dann antworte oder seine Hand nehme und er kann gleich wieder weiter schlafen. Manchmal muss er sich aber an mich kuscheln, um wieder in den Schlaf zu finden. Durch die fehlenden durchgehenden Schlafstunden ist unser Tiger aber tagsüber sehr müde und schafft es nicht über den Tag ohne Mittagsschlaf – also schläft er seit etwa zwei Wochen wieder jeden Tag etwa 2-3 Stunden am Nachmittag. Da unser Tiger nicht sonderlich viel Schlafstunden insgesamt braucht, geht er jetzt abends nicht vor 21:30 oder 22:00 Uhr ins Bett.

Und das ist auch in Ordnung so, doch es war ein langer Weg für mich, bis ich das so sagen und auch wirklich meinen konnte! Heute im zweiten Teil der kurzen Schlafserie möchte ich euch zwei Bücher vorstellen, die mich durch die schwierigen Schlafzeiten immer wieder begleitet haben und auch ein paar Gedanken dazu mit euch teilen.

Ich will bei euch schlafen! Ruhige Nächte für Eltern und Kinder
Sibylle Lüpold
Dieses Buch ist mir durch Zufall von einer Bekannten geborgt in die Hänge gefallen und durch noch größeren Zufall bei uns geblieben (unser Stubentiger hat es nachts etwas ramponiert und so musste ich ein neues Exemplar kaufen zum Zurückgeben). Anfangs habe ich mich etwas geärgert, doch es konnte nichts besseres passieren, als dass dieses Buch bei uns wohnen bleibt!

Zu kaufen gibt es das Buch *hier*.

2016-06-20_01
Das Buch ist in 5 große Kapitel, jeweils mit etlichen Unterkapiteln unterteilt – im Großen und Ganzen ist es sehr übersichtlich aufgeteilt.

1.) Vom Schlafen und Schreien
Im ersten Kapitel geht die Autorin grundsätzlich auf den Schlaf unserer Kinder ein, wie er sich von den Erwachsenen unterscheidet und warum oder deckt Fehleinschätzungen auf, wie „was durchschlafen bedeutet“. Es wird auch auf das Schreien der Kinder eingegangen und was es für das Kind bedeutet, wenn es schreien gelassen wird. Anschließend wird die Wichtigkeit des Körperkontakts für das Baby hervorgehoben und Vorteile für das Stillen erläutert. Dabei werden auch immer wieder Erfahrungsgeschichten unterschiedlicher Familien mit eingebunden und auch auf andere Kulturen wird im Vergleich immer wieder in Blick geworfen.

„Der Mensch ist ein biologisches Wesen. Das heißt, das Verhalten eines Babys wird nicht durch kulturelle Normen und Werte gesteuert, sondern durch seine natürlichen biologischen Bedürfnisse. Gerade in unserer zivilisierten Welt ist der erwachsene Mensch schon so sehr beeinflusst, dass er sich oft nicht mehr von seinen Instinkten, sonder von den gesellschaftlichen Vorstellungen leiten lässt. Dies führt zu einer logischen Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten eines Säuglings und den Erwartungen seiner Eltern. Ein Baby schreit nicht, weil er verwöhnt oder unerzogen ist, sondern weil es nicht anders kann. […].“

2016-06-20_03

2.) Co-Sleeping
Wie der Buchtitel vermuten lässt, gibt es ein großes Kapitel zu dem Thema Co-Sleeping, also gemeinsames Schlafen. Die Autorin beschränkt sich dabei aber nicht auf das Familienbett, sondern jede Form des „gemeinsamen in einem Raum“ – Schlafens, auch z.B. Beistellbetten oder Kinderbetten im Schlafzimmer. Dabei wird natürlich auf die Vorzüge des Co-Sleeping für die Kinder wie auch für die Eltern eingegangen. Wichtige Themen wie der plötzliche Kindstod oder das Thema Partnerschaft und Sexualität werden mit eingebunden, ebenso wie wichtige Sicherheitsmaßnahmen erläutert. Es folgen auch wieder Erfahrungsberichte und der Vergleich mit anderen Kulturen.

„Kinder benötigen in den ersten Jahren besonders auch nachts die Nähe einer Bezugsperson. Durch die Dunkelheit werden Ängste und das Bedürfnis nach Geborgenheit noch viel intensiver. Wenn ein kleines Kind die Mutter nicht mehr fühlen oder sehen kann, existiert sie praktisch nicht mehr.“

3.) Begleitung in den Schlaf
In dem dritten Kapitel gibt es zuerst grundsätzlich eine kurze Erklärung, welche Faktoren (wie z.B. tagsüber eine liebevolle Behandlung und einen für das Kind passenden Rhythmus) zum sanfteren Einschlafen führen können – dabei wird aber immer wieder hervorgehoben, dass jedes Kind und alle Eltern anders ist und so jede Familie einen eigenen Weg finden muss. Anschließend werden sanfte Einschlafhilfen wie z.B. das Einschlafen an der Brust, dem Tragetuch, Massage, Schlaflieder, etc. erläutert und dabei auch immer wieder hervorgehoben, dass kein Kind durch sanfte Einschlafmethoden verwöhnt wird und dass auch diese Einschlafmethoden nicht immer den gewünschten Effekt bringen müssen/werden.

„Falls Ihr Kind auf gar keine Methode anspricht und sich einfach nicht beruhigen lässt, obwohl sie stundenlang mit ihm durch die Wohnung wandeln, dann nehmen Sie es doch in Ihre Arme und setzen oder legen sich bequem hin. Sprechen Sie ihm leise zu, streicheln Sie sein Köpfchen […]. Setzen Sie sich nicht unter großen Druck, indem Sie sich die Schuld für sein Verhalten geben und sich Vorwürfe machen! Sie sind in dem Moment bei ihm und halten es liebevoll – mehr können Eltern manchmal einfach nicht tun!“

Weiters wird auch ein sanfter Weg für das „Alleine einschlafen lernen“ beschrieben, wobei sich das über mehrere Wochen zieht und auch immer wieder deutlich gemacht wird, dass es im Tempo des Kindes passieren soll und nichts erzwungen werden darf.

4.) Vorsicht Schlaftraining
Die Autorin spricht sich in diesem Kapitel natürlich ganz klar gegen die Anwendung von Schlaftrainings aus und beschreibt auch deutlich, was in diesen Momenten mit dem Baby passiert – darauf möchte ich aber nicht näher eingehen.

5.) Was Experten zu Schlaftraining und Co-Sleeping sagen
Im letzten Teil dieses Buches melden sich Experten unterschiedlicher Gebiete (Schlafforscher, Kinderpsychologen, Therapeuten, Entwicklungspsychologen,etc.) in Form eines Interviews zu Wort. Dabei werden auch Fragen aufgegriffen, die Eltern häufig stellen (wie z.B. wie lernt mein Kind durchschlafen, etc.) und ausführlich beantwortet. Der rote Faden zieht sich hierbei natürlich dem Titel des Buches entsprechend hin zum bedürfnisorientiert Schlafen. Schlaftrainings oder Schreien lassen jeglicher Art wird von allen Experten abgelehnt.

 

Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigeren Nächten
Dr. Med. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau

Da das Buch sehr neu ist (März 2016 erschienen) gibt es auf verschiedenen Blogs schon sehr gute Rezensionen auf die ich gerne verlinken möchte:
http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2016/04/schlaf-gut-baby-nora-imlau-und-herbert-renz-polster-rezension.html
http://wunschkind-herzkind-nervkind.blogspot.co.at/2016/05/schlaf-gut-baby-der-sanfte-weg-zu.html

Gekauft haben wir das Buch *hier*.

2016-06-20_02
Das Buch ist umfangreicher als das eben vorgestellte und es wird auch vermehrt die Evolutionsbiologie mit einbezogen. Im Großen und Ganzen mag ich das Buch sehr gerne, weil auch eher unkonventionelle Wege als völlig legitim dargestellt werden und auch immer wieder betont wird, dass alles, was sich gut und richtig für das Baby und für die ganze Familie anfühlt, auch in Ordnung ist. Es gibt in dem Buch einige Tipps und Vorschläge, aber nicht die Lösung oder den Weg schlechthin und das sagen auch die Autoren ganz offen so!

„Wir müssen ehrlich zugeben: Ein liebevoller Weg, Kinder binnen kürzester Zeit ohne Tränen zum Einschlafen ohne Hilfe und zum elternfreundlichen Durchschlafen zu bringen, ist uns nicht bekannt. Aber sanfte Strategien, die bereits vielen Eltern dabei geholfen haben, wieder zu besserem Schlaf und neuen Kräften zu kommen, die kennen wir durchaus.“
— Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigeren Nächten —

Das Buch kam mir gerade zur rechten Zeit, als ich um den zweiten Geburtstag unseres Tigers und auch wegen des zweiten Babys etwas zu zweifeln begann, ob unser Tiger nicht doch bald mal etwas besser schlafen könnte.. Und ich bin richtig froh darüber, dass ich es ohne eine Sekunde zu zweifeln, gekauft habe, denn es gab mir die Antworten, die ich gesucht habe!

Ich liebe diese beiden Bücher und blättere sie auch beide immer wieder gerne durch und lies mir die für uns wichtigen Stellen durch. So unglaublich wertvoll sind die Bücher aber nicht für mich, weil sie irgendein Allheilmittel oder sonst etwas enthalten, die unseren Schlaf nachhaltig veränderten, sondern weil sie mich immer wieder bestärkten, dass es in Ordnung ist, so wie es ist! Dass unser Tiger eben zu den Kindern gehört, die nicht den besten Schlaf, aber dass wir deswegen noch lange keine Schlafprobleme haben. Sie vermitteln, dass Kinder einfach anders schlafen, als wir es uns wünschen, aber dass das alles seine Richtigkeit hat. Ich kann nun auch selbstbewusst sagen, dass unser Tiger mit seinen über 2 Jahren noch nicht durchschläft und dass er mit uns im Familienbett schläft und dass ich ihn jeden Abend/Nachmittag Einschlafbegleite. Für uns ist das der richtige Weg und diesen werden wir beibehalten, solange es für uns alle passt und sich richtig anfühlt.

Den besten Tipp, den ich verzweifelten Eltern mit auf den Weg geben kann, ist einfach das Annehmen der Situation und auch, dass es für alle entspannter werden kann, wenn man sich mit der jeweiligen Situation arrangiert. Die Zeit, in der viele unserer Kinder die Eltern zur Verzweiflung bringen und uns nachts so sehr brauchen, ist sehr kurz. Der „Schlafrhythmus“ von kleinen Kindern ändert sich regelmäßig und irgendwann kommt die Zeit und jedes Kind schläft in seinem Zimmer durch. Alleine das Akzeptieren des Schlafverhaltens macht das Schlafen einfacher und verändert es manchmal sogar zum Positiven, da der Druck genommen wird und man entspannter mit allen Situationen umgehen kann.

Advertisements

4 Kommentare zu “Und tägliche grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 2

  1. Liebe Ricarda!
    Dein Artikel kommt genau zur richtigen Zeit! Nachdem unsere Tochter nun eine lange Phase des Durchschlafens hatte, ist sie nun nachts wieder SEHR unruhig! Danke für die aufbauenden Worte, ich werde diese Schlafphase einfach mal akzeptieren 😉
    Verregnete Grüße,
    Gertraud

    Gefällt mir

  2. Hallöle,

    trotz aller Tipps, Rituale, Globuli und jeglicher Musik will unsere kleine Prinzessin (jetzt 11 Monate) einfach nicht länger als 2-3 Stunden am Stück schlafen bzw. dann alleine einschlafen. Von Durchschlafen wollen wir gar nicht erst sprechen…

    Bekannte von uns hatten vor einigen Jahren so eine Baby Einschlafhilfe, wussten aber den Namen nicht mehr… Nach eigener Recherche sind wir dann auf das Produkt gestoßen, es nennt sich Sleepy Relax. Im Shop des Hersteller (http://www.sleepy-relax.com) ist es allerdings ausverkauft! Man hat lediglich die Möglichkeit sich per Newsletter über die Verfügbarkeit informieren zu lassen, hab schon beim Hersteller angefragt…

    Nun zu meiner Frage: Hast du, oder eine deiner Leserinnen, eine Ahnung, ob das das richtige ist? Und wenn ja, vielleicht weiß sogar jemand wie ich da ran komme (lebe in Frankreich…)???

    Danke vorab, müde Grüße und einen schönen Tag euch allen,
    Jenny

    Gefällt mir

    • Liebe Jenny!
      Bitte entschuldige meine späte Antwort – dein Kommentar rutschte in den Spam-Ordner, da hab ich ihn nicht gleich gesehen.. Sry…
      Bezüglich der Einschlafhilfe kann ich dir leider keine Tipps oder Empfehlungen geben – ohne Körperkontakt war bzw. ist es unserem Tiger unmöglich zu einzuschlafen, daher konnten wir nicht auf sowas zurück greifen. Wir haben im ersten Jahr eine Federwieder probiert, aber auch das wollte er nicht.. Nicht mal im Kinderwagen konnte er gut oder lange schlafen.. Auf Facebook gibt es einige Mami-Gruppen, vielleicht weiß dort jemand Rat bezüglich dieser Einschlafhilfe – ein Versuch wäre es wert 😉

      Wir haben im ersten Jahr auch alles mögliche probiert und es hat nichts geholfen. Jetzt hab ich gelernt, dass es in Ordnung und völlig natürlich ist, dass Babys unsere Anwesenheit brauchen und diese auch immer wieder überprüfen müssen. Deine kleine Prinzessin ist noch so klein, gib ihr noch etwas Zeit (ich weiß, wenn man zum Umfallen müde ist, kann man mit dem Ratschlag nichts anfangen..!) Vor allem ist sie mit 11 Monate ja auch kurz davor, mobil zu werden und hat viel zu verarbeiten.
      Unser Tiger hat erst mit 19 Monaten länger als 2 Stunden am Stück geschlafen und jetzt mit 28 Monaten beginnt er langsam vereinzelt Nächte durchzuschlafen – er wird aber immer noch oft wach und braucht meine Anwesenheit zum Weiterschlafen. Je gelassener ich bin, desto einfacher war alles.
      Es sagt sich jetzt alles so leicht, aber ich kann mich gut daran erinnern, wie verzweifelt ich wegen seinem Schlafverhalten war – das war auch der Grund, warum ich dieses Thema Schlaf früher nie im Blog angesprochen habe… Aber ich kann dir sagen, es wird besser und die Zeit arbeitet da deutlich für dich!

      Es tut mir Leid, dass ich dir nicht weiterhelfen konnte und ich schicke dir ganz viel Energie für diese kräftezehrende Zeit!
      Ganz liebe Grüße,
      Ricarda

      Gefällt mir

  3. Pingback: Die etwas andere/chaotische Einschlafbegleitung – Tigers großes Abenteuer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s