Experimentierfeld Esstisch

Essen ist unglaublich spannend! Wir verbringen sehr viel Zeit beim Zubereiten und anschließend verbringen wir nochmals sehr viel Zeit beim Essen, am liebsten alle gemeinsam am Esstisch – dabei ist uns eine angenehme Atmosphäre sehr wichtig.

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Tiger – 7 Monate alt

Unser Tiger war bereits sehr früh bereit für Beikost und zeigte das uns auch deutlich. Allerdings war er mit Brei und gefüttert werden nicht sonderlich glücklich und so bekam er sehr bald FingerFood – nach einiger Recherche fand ich dann auch heraus, dass das einen Namen hat, nämlich BLW (Baby Led Weaning). Bei BLW lässt man sein Kind an den normalen Mahlzeiten am Familientisch mitessen – gegessen wird, was selbstständig in den Mund kommt. Dabei geht es nicht darum (wie oft bei Brei der Fall), eine komplette Milchmahlzeit zu ersetzen, sondern sie einfach zu ergänzen.

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Tiger – 11 Monate alt

Und BLW war für unseren Tiger so unglaublich spannend – so vielfältig wie unterschiedliches Essen ist, so viele Erfahrungen kann er auch machen. Es gibt klebrige Lebensmittel und welche die bröseln, manche kann man auf dem Tisch herum schmieren, wieder andere sind eher fest oder matschig. Sie sind süß, sauer, salzig, bitter, fallen hinunter vom Tisch und kommen nicht wieder von alleine hoch. Manche Lebensmittel rollen davon, andere rinnen oder fühlen sich ölig an. Es gibt kalte und warme, rote und gelbe und grüne Lebensmittel und natürlich noch viele andere Farben. Unterschiedliche Kombinationen schmecken unterschiedlich.

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Tiger – 10 Monate alt

Neben den unterschiedlichen Sinnesübungen beinhaltet Essen aber auch viele Übungen des täglichen Lebens wie eingießen, Dinge mit dem Löffel transportieren, schneiden, die Verwendung von Tuben, aufschrauben, wieder zu schrauben, aufstreichen, umrühren, aufputzen des Tellers, etc. Alles muss erst gelernt und geübt werden und überall kann ja soo viel schief gehen – jaa, man kann Ketchup auch vom Tisch auftunken, wenn das Teller verfehlt wird *haha*.

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Tiger – 25 Monate alt

Ich beobachte unseren Tiger immer unglaublich gerne, wie er voller Freude isst und voller Faszination entdeckt. Er hat viele Vorlieben und kaum Abneigungen – zumindest gekostet wird überall, er ist da wirklich sehr unkompliziert. Ich habe ihn auch immer machen und entdecken lassen und es gibt wenige Regeln bei uns am Esstisch und was er selbst probieren möchte, darf er meistens auch. Ich denke auch, dass das gemeinsame Kochen viel ausmacht, denn er ist oft sehr stolz, wenn er genau das Essen kann, was er vorher auch selbst zubereitet hat. Abends erzählt er dem Tigerpapa oft ganz begeistert, welchen Beitrag er beim Kochen geleistet hat.

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Tiger – 25 Monate alt

Und dann kommt irgendwann die Zeit, wo diese kleine Stimme im Hinterkopf unserer Gedanken sich leise zu Wort meldet und plötzlich fragen wir uns: „Sollte unser Kind denn nicht bald vernünftig/gesellschaftstauglich essen können?“. Und ja, auch bei uns kam diese Stimme so etwa mit 2 Jahren und plötzlich fielen auch Sätzen am Tisch wie: „Mit dem Essen spielt man nicht“. Manchmal denke ich mir, dass unser Tiger die letzten 1,5 Jahre genug experimentiert hat und dass er doch mittlerweile groß genug wäre, um vernünftig zu essen (und jaa, er kann es – er zeigt es uns regelmäßig)! Aber meistens ist eben etwas anderes spannender als „vernünftig“ zu essen. Was hinzu kommt und besonders schwierig für den Tiger ist, dass meine Toleranzgrenze am Esstisch sehr stark von unseren Schlafstunden abhängt..

Und immer wenn solche Momente kommen, in denen ich genervt werde von der Spielerei am Esstisch, muss ich mir ein paar Gedanke im Hinterkopf halten. Unser Tiger hat mit seinen etwas über 2 Jahren schon viel experimentiert und gelernt, aber er hat deswegen noch lange nicht alles entdeckt und keinesfalls ist er bereits „groß“ genug, denn mit 2 Jahren ist man eben noch nicht groß, sondern genau richtig für ein Kind und da ist Essen neben der Notwendigkeit auch noch spannend. Zum anderen muss ich nach jeder Mahlzeit den Tisch abwaschen und saugen – ob es jetzt mehr oder weniger schmutzig ist, ist dabei völlig unerheblich. Wenn ich allerdings sehr müde und ungeduldig bin und unser Tiger wieder richtig in seinem Element bei Tisch ist, dann kommt es auch schon vor, dass ich ihm erkläre, dass er sich gerne austoben darf, ich es mir aber nicht ansehen kann ohne ungeduldig zu werden und daher verlasse ich für einige Minuten den Esstisch. Unser Tiger hat somit Zeit für seine Entdeckungen, ich habe ein paar Minuten für mich, in denen ich mir oft meine Gedanken bezüglich des Essens aus dem Hinterkopf kramen kann – und selten sieht es nach meiner „Auszeit“ am Esstisch mehr aus als vorher!

Wenn wir allerdings woanders eingeladen sind oder (was wirklich selten vorkommt) doch mal Essen gehen, so ist es für unseren Tiger ein guter Kompromiss, dass er sich dann „zusammen reisen“ muss beim Essen und seine Entdeckungen dann zu Hause fortsetzen darf – bis jetzt gab es mit diesem Kompromiss noch nie Problem und unser Tiger akzeptiert das problemlos.

Ich bin überzeugt davon, dass jedes Kind essen lernt und dann schneller als wir denken „gesellschaftstauglich“ isst. Ich selbst liebe das Experimentieren mit Essen – allerdings in der Küche und nicht (mehr) am Esstisch. Vielleicht verlagert sich dieses Interesse auch mal beim Tiger, wer weiß? Auf alle Fälle möchte ich ihm bei seinen Sinnenübungen und Übungen des täglichen Lebens am Esstisch nicht im Wege stehen, da sie eine wichtige Erfahrung in seiner Entwicklung sind!

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Ein Kommentar zu “Experimentierfeld Esstisch

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