Hauen als Kommunikationsmittel

Unser Tiger ist ein unglaublich friedfertiges Kind – anderen Kinder würde er niemals körperlich etwas tun oder etwas wegnehmen. Allerdings hatten wir die letzten Wochen mit zwei Verhaltensweise von ihm Probleme, die uns vor große Rätsel stellten. Heute möchte ich euch gerne unsere „Problemsituationen“ und was dann im Endeffekt die Lösungen dafür waren, erzählen.

Unser Tiger liebt sein Rutschauto! Er hat es zum ersten Geburtstag von der Tigeroma bekommen und es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem er nicht damit durch die Gegend gefahren ist. Letztes Jahr auch draußen, seit er sein Laufrad hat, aber nur mehr in der Wohnung. Vor einigen Wochen hat es dann angefangen, dass er mich ständig mit dem Rutschauto über den Haufen fährt. Alle Erklärungen, dass ich das nicht möchte und dass es mir weh tut, waren vergebens.. Immer und immer wieder habe ich ihm ganz ruhig erklärt, dass er mich nicht umfahren darf – anfangs unglaublich ruhig. Mit der Zeit merkte ich aber, wie es mich zunehmend nervte, dass ich ständig auf der Hut sein musste, wenn er mit seinem Rutschauto unterwegs ist – barfuß tut es nämlich wirklich richtig weh, wenn man nicht damit rechnet. Ich fragte mich, was denn nur mit unserem sonst so vernünftigen kleinen Tiger los war… Eines Tages war ich dann müde, genervt (von den mehrmaligen sinnlosen Erklärungen) und unser Tiger fuhr mal wieder voll Schwung gegen meine nackten Füße, sodass ich ihm sagte, wenn er das jetzt nicht lässt, kommt sein Auto weg. Kaum war der Satz ausgesprochen, tat es mir unglaublich Leid! Wir vermeiden „wenn/dann“-Sätze soweit wie möglich und gedroht wird gar nicht bei uns.. So Leid es mir in dem Moment tat, so veränderte sich auch der Blick des Tigers. Er fuhr einfach davon. Nach ein paar Minuten, nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich zu ihm und entschuldigte mich.. Ich erklärte ihm, dass sein Auto nicht wegkommt, weil ich weiß, wie gerne er es mag – aber dass es mir doch wirklich weh tut und ich das Umfahren nicht möchte. Die kommende Woche fuhr er mich immer wieder um und sagte gleichzeitig irgendwie ängstlich: „Kommt das Auto weg?“. Natürlich kam es niemals weg, was ich ihm auch immer wieder versuchte zu sagen, aber eine ganze Woche dauerte es, bis er sich von diesem Satz erholt hat.. In dieser Woche achtete ich auch ganz genau, wann er mich niederfährt, was ich mache, was er macht, wie die gesamte Situation ist.. Und dann kam der Tag, wo plötzlich alles klar war! Unser Tiger fuhr mich wieder über den Haufen, ich kniete mich zu ihm und fragte ihn, ob er kuscheln möchte. Er sprang auf und kuschelte sich zu mir, den restlichen Tag gab es keine Probleme mehr mit dem Rutschauto! Seitdem fährt er mich zwar trotzdem regelmäßig über den Haufen, grinst und fragt gleich „Mama kuscheln“, was wir dann auch machen!

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Ein ähnliches Problem hatten wir beim Essen. Unser Tiger fing oft nach kurzer Zeit an, mit dem Besteck gegen den Tisch zu schlagen – unser Vollholztisch schaut dementsprechend aus… Auch hier waren Erklärungen jeglicher Art sinnlos und oft wussten wir uns nicht anders zu helfen, als dass wir das Besteck zur Seite legten – die „Lösung“ war natürlich alles andere als zufriedenstellend für uns alle! Und so achtete wir wieder darauf, wann unser Tiger das macht und wie die gesamte Situation momentan ist – so kamen wir auch hier schnell auf das Problem, das eigentlich hinter seinem Verhalten liegt. Wir fragten ihn einfach mal, ob er Hilfe beim Essen braucht und er streckte sein Besteck dem Tigerpapa entgegen und strahlte. fMeistens fing er zum Herumhauen an, wenn wir alle gemeinsam zu Abend gegessen haben – ich vermute, dass er dann einfach durch die Gespräche nebenbei überfordert war. Wir bezogen ihn auch immer ins das Gespräch mit ein und so blieb das Essen oft etwas hinten. Seit wir ihm helfen, wurde das Hauen mit Besteck immer seltener.

Unsere Kinder legen oft Verhaltensweise an den Tag, die für uns Erwachsene einfach unverständlich sind. Obwohl unser Tiger wirklich sehr gut spricht, kann er immer wieder mal Bedürfnisse nicht mit Worten ausdrücken und weicht daher auf eine andere Kommunikationsform aus. Oft ist es wirklich schwierig, bis man bemerkt, was dahinter steckt und was er uns eigentlich mitteilen möchte – und der genaue Blick lohnt sich auf alle Fälle!

Trotz allem habe ich langsam aber sicher das Gefühl, dass wir in die „Phase des Ungehorsams“ bzw. von der Gesellschaft leider „Trotzphase“ genannt, rutschen. Ich habe mich daher die letzten Wochen intensiv damit beschäftigt (dadurch wurden auch unsere zwei genannten Situationen klarer) und werde euch demnächst mehr darüber erzählen!

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8 Kommentare zu “Hauen als Kommunikationsmittel

  1. Schön, dass ihr diese zwei Situationen gut meistern konntet! Ich bin schon gespannt auf weitere Berichte bezüglich der „Trotzphase“.
    LG Sabrina

    P.S.: gestern kamen die Blumenkinder an. Vielen herzlichen Dank

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    • Bin schon gespannt, welche Situationen da noch so auf uns zukommen *hihi*
      Es freut mich, dass die Blumenkinder ein schönes zu Hause bei dir gefunden haben 😉
      Liebe Grüße,
      Ricarda

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  2. Ein spannender Beitrag! Gut, dass du die Geduld und Übersicht aufbringen könntest, die Situation länger zu beobachten und einzuordnen. Oft liegt die Erklärung für das Verhalten der Kleinen für uns Erwachsene eben nicht sofort auf der Hand. Da braucht es eine Menge Geduld und Einfühlungsvermögen.
    Auf deine Beiträge zur „Trotzphase“ bin ich schon gespannt.
    Viele Grüße
    Ina

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  3. Die Erklärungen sind gut. Unglaublich welche Geduld du hast. Ich finde es da schade, dass du dann bei gelegentlichen Drohungen solche Gewissensbisse hast. Außerdem liest sich für mich die Situation mit dem Auto nicht als gelöst so lange er nicht direkt nach kuscheln fragt ohne vorher zu verletzen. Ich sehe da eher eine Parallele zu der Woche davor. Er wiederholt neu erlernte Folgen des Anfahrens. Eine Woche war es das Wiederholen deiner ausgesprochenen Konsequenz, um zu sehen ob dies die Folge ist seines Verhaltens oder halt deine Reaktion. Und dann war es eben das Wiederholen deiner Reaktion, dass gekuschelt wird.

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    • Liebe Yvonne!
      So hab ich es noch gar nicht gesehen, aber du hast da sicher recht, was du in Bezug auf das „Autoproblem“ schreibst – vielen Dank, dass du deine Gedanken mit mir teilst! Ich habe unserem Tiger jedesmal, wenn er mich umgefahren hat und kuscheln wollte, vor dem Kuscheln erklärt, dass wir gerne kuscheln können, aber dass er mir das einfach sagen kann, weil mich das Umfahren verletzt – nach der Erklärung haben wir dann gekuschelt. Manchmal fragt er jetzt auch ohne Umfahren nach dem Kuscheln, oft „stubst“ er mich jetzt mit dem Auto an und bittet dann ums Kuscheln und immer seltener werde ich umgefahren. Vielleicht gefällt ihm auch einfach meine „positive“ Reaktion besser und verändert daher seine Aktion?!
      Ich habe auch in die andere Richtung gedacht, aber ich finde es rückwirkend oft schwer zu beurteilen, wie die Situation grundsätzlich vor dem Umfahren war – vielleicht hat er Andeutungen gemacht, dass er kuscheln möchte und ich habe sie nicht wahrgenommen, daher hat er sich andere Möglichkeiten gesucht, um mich aufmerksam zu machen.. Dann wäre das Umfahren die Reaktion auf meine scheinbar mangelnde Aufmerksamkeit, denn angefangen hat das Ganze natürlich dann, wenn ich keine Zeit hatte bzw. ich mir die Zeit eben nicht genommen hatte. Aber wie gesagt, ich kann es nicht mehr sagen, wie es war. Ich finde das ganze Thema aber grundsätzlich sehr spannend!
      Sonnige Grüße,
      Ricarda

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    • Schön, dass die Situation noch besser geworden ist bei euch.
      Vielleicht bin ich auch einfach immer zu ungeduldig, denn ich habe wenn meine Kleine (kaum älter als dein Sohn) mit der Hand auf mich patscht auch schon ein paar Mal versucht, sie dann an mich zu ziehen und sie einfach zu kuscheln. Und gefragt ob sie mir eigentlich nur sagen will, dass sie mich lieb hat. Das hatte ich auch schon vor deinem Beitrag versucht. Die erste Reaktion war nämlich dann ähnlich wie bei euch. Sie hat es wieder und wieder gemacht und sich dann zunehmend direkt im Anschluss angekuschelt. Seit neuestens sagt sie direkt danach dann immer ganz lieb blinzelnd „Leeeeiiiid“ und umarmt mich und gibt evtl noch Bussi und fragt dann ohne auf eine Antwort zu warten „Besser?“. So putzig ihre Tröststrategien sind so nervig ist dennoch, dass sie es anscheinend total spannend und toll findet diese mit einem Verhalten einzuleiten, das wir ablehnen.
      Die Kleinen lernen alles so schnell, aber sowas…

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    • Ich persönlich finde aber das Erlernen von „Zwischenmenschlichem“ auch um sooo viel schwerer, als alles, wie ich mir alleine aneignen kann *haha* Vor allem, weil alle unterschiedlich sind und unterschiedlich reagieren. Vielleicht lernt deine Kleine gerade diesen Entschuldigungsprozess – im Prinzip müssen ja Kinder anfangs an uns Eltern testen, ob die gleiche Aktion immer die gleiche Reaktion auslöst (was es besonders schwierig macht, weil das sogar bei ein und dergleichen Person nicht immer zutrifft..).. Vielleicht ist momentan einfach die Reaktionskette bei einer Entschuldigung sehr interessant – ich kann aber absolut verstehen, dass das nervig ist. Vielleicht hilft es zu hinterfragen, in welchen Situationen sie nach dir patscht – passiert es vielleicht einfach nur im Übermut während des Spielens oder wenn du abgelenkt bist oder wenn sie vielleicht durch irgendwas überfordert/unterfordert ist? Macht sie es bei Papa auch/wie reagiert der auf ihr Verhalten? Gab es im Laufe des Tages vielleicht Konflikte mit einem anderen Kind oder so? Ich würde mal auf das drumherum achten (falls du das nicht eh schon längst getan hast) und viel Geduld bei immer wiederkehrenden Erklärungen aufbringen – irgendwann kommt der sicher kleine Punkt, an dem das Verhalten dann klarer wird 😉
      Entschuldige bitte die vielen „vielleichts“… Es ist gerade nur eine Sammlung meiner Gedanken geworden – vielleicht (*haha*) ist ja irgendwas für dich dabei 🙂
      Verregnete Grüße,
      Ricarda

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