Und täglich grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 1

Es ist 3 Uhr morgens. Seit einer halben Stunde wälzt sich unser Tiger durch das Bett – hauptsächlich bei mir. Wir haben bereits das Schlaflicht wieder an, ohne dass der Tiger seit einigen Wochen nicht einschlafen kann und auch die Schlafmusik, die wir seit ein paar Tagen probieren, läuft schon. Er wälzt weiter. Setzt sich auf und sagt, er möchte aufstehen.. Er stellt aber gleichzeitig fest, dass es noch finster ist – Schlafenszeit. Also legt er sich wieder hin. Nach 3 Minuten ruhigem Liegen wälzt er weiter, bleibt immer wieder liegen und wälzt dann weiter. Ich werde ungeduldig, bin müde. Etwa eine Stunde später bleibt er liegen, sein Atem wird ruhig, er ist wieder eingeschlafen. Musik läuft noch, Schlaflicht ist auch noch an. Er liegt halb auf mir, ich kann mich kaum bewegen. Mein Arm ist zu kurz, Musik und Lampe zu weit weg. Ich warte weitere 10 Minuten, befreie mich aus dem Kuscheltiger und schalte Licht und Musik aus. Zufrieden kuschle ich mich in meine Decke und schließe die Augen. Dann drehe ich mich auf die andere Seite und wieder zurück.. Wo bleibt nur der Schlaf?! Ich überlege, ob ich noch lesen sollte, entscheide mich aber dagegen. Stattdessen wälze ich nach links und dann wieder nach rechts, denke über den Blogbeitrag über Schlaf nach und wälze wieder nach links.. Ich bin genervt – von mir, von meinen eigenen Einschlafproblemen.

Vor einiger Zeit habe ich euch schon von unserer schwierigen Anfangsschlafzeit erzählt (*klick*), heute geht es wieder um das Thema „schlafen“. Die letzten Wochen/Monate habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, denn (nicht immer, aber) sehr oft belastet mich das Schlafthema mit unserem Tiger sehr. Je mehr ich die letzten Wochen über den kindlichen Schlaf gelesen und gelernt habe, desto leichter fällt es mir, mich abends und auch nachts liebevoll und bedürfnisorierntiert um unseren Tiger zu kümmern. Es ist trotzdem oft eine Geduldsprobe, denn Müdigkeit lässt einen Dinge oft anders erscheinen, aber das Verhalten unseres Tigers zu verstehen und gleichzeitig mein eigenes zu reflektieren lässt unsere Nächte wieder entspannter werden.

Unser Tiger ist ein sehr sensibles und feinfühliges Kind. Er hat schon seit seiner Geburt viele Erlebnisse im Schlaf verarbeitet – er weint, lacht und redet viel im Schlaf. Das macht allerdings einen erholsamen Schlaf oft schwierig.

Wie viel Schlaf braucht ein Kind?
Immer wieder sind wir durch das Schlafverhalten an unsere Grenzen gestoßen, da noch hinzukommt, dass er relativ wenige Schlafstunden braucht. Und so kommen wir zur ersten wichtigen Sache, die uns geholfen hat – wie viel Schlaf braucht ein Kind eigentlich? Jeder von euch kennt sicher die durchschnittlichen Schlafstunden für Kinder jeglichen Alters – im Alter von 2 Jahren brauchen Kinder durchschnittliche 13 Stunden Schlaf. So einfach wird diese Angabe in diversen Ratgebern stehen gelassen. Ich habe dadurch eben angenommen, dass Kinder also so zwischen 12 und 14 Stunden Schlaf – da war unser Tiger deutlich darunter und ich fragte mich oft, ob er schlecht schläft, weil er grundsätzlich zu wenig schläft..! Jetzt durfte ich lesen, dass dieser Durchschnittswert zwar richtig ist, aber dieser Wert +/- 4(!!!) Stunden gerechnet werden muss und so liegt also unser Tiger mit seinen 10-11 Stunden Schlaf (in 24 Stunden) eben doch in der Norm – wie auch ein Großteil aller Kinder auch! Ich habe aufgehört, dass ich den Tiger zu mehr Schlaf bewegen möchte, da doch alles in Ordnung ist – und schon war einiges an Druck beim Schlafen weg!

Nur ein müdes Kind kann schlafen
In den letzten Wochen war es immer wieder absehbar, dass unser Tiger den Mittagsschlaf nicht mehr sehr lange machen wird, er wurde immer später am Tag müde und brauchte dann oft bis zu 1,5 Stunden zum Einschlafen, weil er einfach nicht mehr müde genug war. Die Schlafenszeit abends schob sich durch den Tagesschlaf nach hinten und dann war an Schlaf nicht zu denken und Einschlafen ein richtiger Geduldsakt für beide Seiten. Da Kinder oft einfach nicht so viel Schlaf brauchen, wie wir glauben – so sind oft einfach nicht so müde, wie wir eben glauben.  Seit 3 Wochen lassen wir den Tagesschlaf weg, da es der Tiger über den Tag schafft und so ist das Schlafengehen am Abend einfacher, da er dann wirklich müde ist!

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In den letzten 1,5 Jahren ist es zweimal vorgekommen, dass er tagsüber in seiner „Kuschelecke“ einfach eingeschlafen ist!

Aber wo liegt denn nun das Problem?
Trotz allem gehört aber unser Tiger zu den schlecht schlafenden Kindern – dachte ich zumindest immer.. Mittlerweile weiß ich es besser und weiß auch, dass er eben zu den normal schlafenden Kindern gehört und die Einstellung unserer Gesellschaft und eine falsche Erwartungshaltung das Problem „schlecht“ schlafender Kinder ist. Wenn man sich näher mit der Evolutionsbiologie der Kinder beschäftigt, wird schnell klar, dass unsere Babys und Kinder noch immer die Gene der „Steinzeit-Babys“ haben und sie eben so „funktionieren“, wie es für sie für diese Zeit üblich war – über dieses umfangreiche Thema wird es aber in kommender Zeit einen eigenen Artikel geben.

Das große Problem des Einschlafens!
Nach den letzten Wochen, wo ich genau auf die Bedürfnisse und Verhalten des Tigers achtete und auch mein eigenes Verhalten mal genau unter die Lupe nahm, wurde mir klar, wo beim Schlaf des Tigers das große „Problem“ liegt – nämlich das Einschlafen. Unendliche Stunden sind wir schon wach im Bett gelegen, wo der Tiger einfach nicht einschlafen konnte – die Betonung liegt dabei bei „konnte“ und keinesfalls bei einem „wollte“! Er wälzt sich oft lange herum, ist aber immer wieder gewillt zu schlafen und bleibt ruhig liegen – aber für Kinder seines Alters sind 3 Minuten liegen ohne in den Schlaf zu finden schon sehr lange! Seit seiner Geburt begleiten wir ihn in den Schlaf, er musste also noch nie alleine einschlafen, da ihm Körperkontakt sehr wichtig ist. Wir machen auch ruhiges Abendprogramm und lesen noch gemeinsam im Bett oder hören etwas ruhige Musik. Auch gedämpftes Abendlicht gehört seit Kurzem zum Einschlafen, vielleicht hat er etwas Angst, wenn es ganz dunkel ist. Das alles und das Weglassen des Tagesschlafes haben das Einschlafen am Abend einfacher und kürzer gemacht – nicht immer, aber doch sehr oft.

Und nun wird durchgeschlafen?
Alle Menschen wachen nachts mehrmals auf, wir Erwachsene schlafen aber (meist) gleich wieder weiter und wissen morgens dann gar nicht mehr, dass wir überhaupt aufgewacht sind. Kinder haben es viel schwerer, wieder in den Schlaf zu finden. Einfacher ist es, wenn sie die selben Bedingungen vorfinden, unter denen sie abends eingeschlafen – in unserem Fall eben eine kuschelnde Mama, gedämpftes Licht, leise und ruhige Musik. Aber auch dann gibt es keine Garantie, dass ein Kind wirklich wieder gleich in den Schlaf findet und das kann dann doch schon mal eine richtige Geduldsprobe sein – ist aber völlig normal und in Ordnung!

Letzte Nacht, nachdem der Tiger wieder eingeschlafen war, konnte ich nicht mehr schlafen – wie übrigens sehr oft.. Und da wurde mir klar, dass auch ich oft Schwierigkeiten beim Einschlafen habe! Auch ich brauche abends mein ruhiges Programm und lese am liebsten noch ein paar Zeilen, um dann entspannt schlafen zu können. Sind die Abende recht aufregend (da reicht für mich oft auch ein spannender Film), brauche auch ich lange, bis ich einschlafen kann und so auch nachts, wenn sich die Wachzeit mit dem Tiger zieht.. Ich kenne es daher einfach so gut, wie es ist, wenn man müde ist und schlafen möchte und der Schlaf einfach nicht kommt. Es tut mir dann immer so unendlich Leid, wenn ich bei der Einschlafbegleitung, sei es abends oder nachts, ungeduldig oder gar böse werde.. Aber je mehr ich über das Thema „Schlaf“ weiß, desto leichter fällt es mir, mit dem Schlafverhalten unseres Tigers bedürfnisorientiert umzugehen!

Passend zum Thema „kindlicher Schlaf“ möchte ich euch im zweiten Teil dieser kurzen Schlafserie zwei Bücher vorstellen, die mir bei der Thematik immer wieder weitergeholfen und mich ermutigt haben, weiter unseren bedürfnisorientierten Weg mit unserem Tiger zu gehen. Und auch wenn dieser Weg nicht immer der einfachste ist, ist er für uns der einzig Richtige!

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Unser Familienbett – allerdings hat unser Tiger noch nie in „seinem“ Teil des Betts geschlafen *haha*

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3 Kommentare zu “Und täglich grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 1

  1. Liebe Ricarda!
    Danke für diesen herrlich ehrlichen Einblick in eure Nächte. Wir haben unser Beistellbett schon vor einiger Zeit verräumt, weil es auch nie benutzt wurde 🙂 Mein Motto ist mittlerweile: Akzeptiere, was du nicht ändern kannst! Ich freue mich schon auf Teil 2 🙂
    Liebe Grüße,
    Gertraud

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  2. Liebe Gertraud!
    Wir hatten das Beistellbett auch schon verräumt, vor einigen Wochen hatte ich aber das Gefühl, vielleicht könnten wir es wieder mal brauchen (zu viert könnte es dann eng werden ab Herbst *haha*) und daher haben wir es wieder aufgestellt. Unser Tiger sagt tagsüber regelmäßig, er möchte darin schlafen, aber abends ist dann doch das Mama-Bett besser 😉
    Liebe Grüße,
    Ricarda

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  3. Pingback: Und tägliche grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 2 – Tigers großes Abenteuer

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