„Jedes Kind ist hochbegabt“

Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen
von Gerald Hüther und Uli Hauser (*klick*)

Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich euch in nächster Zeit mehr meiner Lieblingsbücher vorstelle. Daher beginne ich heute mit einem Buch, dass für mich eine große Bedeutung hat. Ich habe dieses Buch vor über einem Jahr von meiner Tante geschenkt bekommen und mit dem Lesen dieses Buches hat sich für meine Welt, meine Vorstellung von Kindern, meine Vorstellung von „Erziehung“ komplett verändert, denn dieses Buch brachte den Stein ins Rollen, eine neuen Weg zu gehen.

2016-04-07_01
Ich stelle euch jetzt kurz die einzelnen Kapitel vor und wo es für mich wichtig ist, werde ich auch persönliche Gedanken mit euch teilen.

Das Buch ist in 5 Kapitel mit einigen Unterkapitel übersichtlich unterteilt und bereits das Inhaltsverzeichnis hat mich sehr neugierig gemacht.

1 Bevor es losgeht

Im ersten Kapitel wird großteils auf das Schulsystem eingegangen – was dieses mit unseren Kindern macht, wie der Leistungsdruck Kinder verändert und wie sich das auch auf ihre Begeisterung auswirkt. Auch das wichtige Thema Lob und Bestrafung wird behandelt – vom Baby/Kleinkindalter bis hin zum Notensystem in der Schule. Dabei wir immer wieder einfühlsam auf die Seele unserer Kinder eingegangen und was eigentlich Kinder brauchen. Dazu möchte ich euch gerne ein Zitat von Pablo Casals, einem spanischen Cellisten, der auch in dem Buch zitiert wird, weitergeben:

„Jede Sekunde, die wir leben, ist ein neuer und einzigartiger Augenblick im Universum, ein Augenblick, der nie wieder sein wird… Und was lehren wir unsere Kinder? Wir lehren sie, dass zwei und zwei vier ergibt […]. Wann werden wir sie lehren, was sie sind? Wir sollten zu jedem von ihnen sagen: Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder. Du bist einzigartig. In all den Jahren, die vergangen sind, hat es nie ein Kind wie dich gegeben. […] Du hast die Fähigkeit zu allem. Ja, du bist ein Wunder. […]“

2 Mehr als ein Wunder: Welche Begabungen unsere Kinder mit auf die Welt bringen

  • Liebe und Zuneigung
  • Offenheit und Entdeckerfreude
  • Kreativität und Gestaltungslust
  • Vertrauen und Zuversicht
  • Beharrlichkeit und Eigensinn
  • Achtsamkeit und Mitgefühl

Alleine diese Aufzählung ist doch unglaublich schön und faszinierend – welch tollen Talente doch jedes einzelne Kind bereits vor der Geburt mit ins Lebens bringt, wie unglaublich doch schon so kleine Kinder sind! Auf jeden dieser Eigenschaften wird in jeweils einem eigenen Kapitel eingegangen und genau ausgeführt, wie sich diese Eigenschaft äußert und was dahinter steckt. Ein Zitat aus der Einführung dieses Kapitels hat mich aber besonders bewegt. Denn so wahr wie es auch ist, dass die beiden angeführten Kinder hoch begabt sind, so traurig ist es auch, was von der Gesellschaft als „groß“ gewürdigt wird und was einfach als „nichts“ abgetan wird. Es ist dabei auch immer abhängig, wo Menschen gerade leben und was unter diesen Umständen als besonders wertvoll und wichtig angesehen wird.

„Offenbar hat das, was wir als eine besondere Begabung oder ein Talent bewerten, keine absolute Gültigkeit. […] Wenn ein Kind beispielsweise extrem gut auf Bäumen steigen und klettern kann, ist es dann nicht genauso hoch begabt, wie ein anderes Kind, das schon als Grundschüler ein mathematisches Problem löst, an dem sich erwachsene Mathematiker die Zähne ausbeißen?“

Der Punkt Beharrlichkeit und Eigensinn ist vermutlich der Punkt, den alle Eltern nur zu gut kennen und doch eigentlich am wenigsten Verstehen und damit umgehen können.

„Nur verstehen Erwachsene nicht immer, was ein kleines Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwicklung gerade besonders begeistert, wenn es mit großem Enthusiasmus eine bestimmte Absicht verfolgt. Und die passt nicht immer zu den Absichten, die wir als Eltern oder Erzieher gerade haben. Dann ruft es laut:“Alleine machen“. Wehrt sich, wenn Vater oder Mutter ihm bei etwas helfen wollen, was es selbst lernen will. […] So unbequem kindlicher Eigensinn für uns Erwachsene gelegentlich auch sein mag, so gefährlich ist es, ihn zu brechen. […] Wenn es nun erleben muss, dass es damit Arger verursacht, Ungeduld erzeugt oder gar abgelehnt wird, muss es dieses Bedürfnis unterdrücken. Damit unterdrückt es aber nicht nur die Ausführung einer im Moment als unerwünscht erlebten Handlung. Es muss auch den eigenen Willen unterdrücken, der dieser Handlung zugrunde liegt. Dieser eigene Wille ist jedoch nicht nur der Auslöser dieser Handlung, sonder Grundlage jedes Handelns und vor allem der Lust am eigenen Handeln, […]“

Unser Tiger ist mit seinen 2 Jahren auch ganz motiviert und möchte alles selbst schaffen. „Alleine machen“ hören wir oft schon von ihm, bevor wir überhaupt die Absicht haben, ihm zu helfen. Ja, es kann Anstrengend und Zeitaufwändig sein, doch wenn ich dann unseren Tiger beobachte, wie konzentriert und vertieft er etwas probiert, ist es doch jeder Aufwand wert.

3 Richtig unterstützen statt falsch fördern: Wie Kinder ihre Talente entwickeln können

  • Die Entstehung von Begabungen
  • Die Entfaltung von Begabungen

In diesem Kapitel wird erklärt, wie Kinder bereits als Fötus im Bauch der Mutter die Umgebung und die Gefühle der Mutter wahrnehmen und was sich daraus dann bilden oder entwickeln könnte. Auch die frühe Kindheit spielt im Zusammenhang mit Begabungen eine großes Rolle und es werden exemplarisch auch einige Beispiele gezeigt, wie die Umwelt die Entwicklung eines Kindes beeinflussen könnte. Dabei wird auch immer wieder die Neurobiologie dahinter mit einbezogen und wirklich verständlich und nachvollziehbar erklärt. Wieder wird darauf eingegangen, wie sich Kinder mit Lob und Bestrafung verändern und vor allem, welchen Einfluss das auch auf die Gefühlswelt und auf das Gehirn der Kinder hat. Die Autoren betonen, dass ausschließlich das Kind beurteilen kann, welchen Interessen es nachgehen möchte und lehnen jegliche Art von Frühförderungen in eine gewisse Richtung ab. Es wird auch immer wieder deutlich, dass für die Entwicklung der Kinder weder die passive Wissensvermittlung der Schule noch die Reizüberflutung durch Medien (Fernsehen, Computer) förderlich ist, sondern dass andere Werte, wie gemeinsames Spielen, Musizieren, Malen, Lernen, Lesen, etc. wichtig sind.

4 Leider oft verschenkt: Was wir aus den Begabungen unserer Kinder machen

  • Wenn die Liebe verraten wird
  • Wenn die Entdeckerfreude verdorben wird
  • Wenn die Gestaltungslust gebremst wird
  • Wenn das Vertrauen missbraucht wird
  • Wenn der Eigensinn gebrochen wird
  • Wenn das Mitgefühl unterdrückt wird

Auch dieses Kapitel mit seinen Unterkapiteln ist für mich unglaublich wichtig. Es geht nicht darum, dass wir all die genannten Dinge bewusst machen, ganz unbewusst und auch oft unwissentlich können die Eltern den Kindern viele dieser Eigenschaften nehmen. Die Autoren bauen dabei auch immer wieder sehr gut den Einfluss der Umgebung und der gesamten Gesellschaft in diese Kapitel mit ein und öffnen einen immer wieder gekonnt die Augen. Auch wenn wir nicht alles verändern können, so können wir doch unsere Kinder so gut wie möglich unterstützen, damit sie sich viel von ihren angeborenen Eigenschaften zumindest zum Teil bei behalten. Dabei reichen die Erläuterungen der Autoren von Babyalter bis weit in die Pubertät und Jugendzeit.

Da ich auch bei Kapitel 2 auf den Eigensinn eingegangen bin, möchte ich auch an diesem Punkt ein Zitat aus dem Kapitel „wenn der Eigensinn gebrochen wird“ wiedergeben.

„Doch der Eigensinn eines Kindes ist Ausdruck seiner bis dahin gewonnen Unabhängigkeit des eigenen Denken, Fühlens und Handelns. Zwar müssen Kinder lernen,  sich anzupassen und die Regeln des sozialen Zusammenlebens einzuhalten, doch ihre autonome Regung, ihre eigenen Gedanken und ihren Willen sollten sie dabei nicht unterdrücken. Wie soll ein Kind zu einer selbstbestimmten und selbstbewussten Persönlichkeit heranreifen, das im Wesentlichen immer nur erfahren hat, dass es das Beste ist, sich anzupassen?“

Wenn mich der Eigensinn unseres Tiger manchmal etwas nervt, so halte ich mir immer vor Augen, dass ich eigentlich ja gar kein Kind will, das mir auf mein Wort gehorcht. Er soll und darf eigene Erfahrungen machen. Wenn es sich dann auch noch um Dinge handelt, die eigentlich gar nicht schlimm oder wichtig sind sind, muss ich manchmal sogar über mich schmunzeln und mich selbst ermahnen, alles etwas lockerer zu sehen und einfach mal zu beobachten, wie sich unser Tiger verhält – und manchmal überrascht er mich!

5 Für ein Leben in Fülle: Was unsere Kinder wirklich brauchen

Im letzten Kapitel des Buches werden noch einmal alle Themen angeschnitten und es wird ein ganzheitliches Bild des Kindes und auch unserer Gesellschaft vermittelt. Wie sollen wir unsere Kinder auf eine Welt vorbereiten, die wir selbst nicht kennen? Wie können wir entscheiden, was einmal für unsere Kinder wichtig sein wird oder welche Kompetenzen sie erwerben müssen, um später auf der Welt klar zu kommen? Wir kennen diese Welt nicht und können unsere Kinder daher nicht vorbereiten, wir müssen vertrauen haben.

Ich mag dieses Buch besonders, weil es so viele unterschiedliche Aspekte in wenigen Zeilen vereint. Jede Seite ist voll mit Informationen und es wird nicht unnötig herum geschrieben – das macht das Buch für die Thematik recht kurz und doch sehr informativ. Auch die ganzheitliche Sicht von Baby bis Jugendalter, vom Einfluss der Umwelt, der Gesellschaft, der Elter/Erzieher über die technische Entwicklung bis hin zu den neurologischen Aspekten ist den Autoren optimal gelungen. Eine klare Empfehlung für das Buch von meiner Seite!

Abschließend zu meiner Buchempfehlung, möchte ich euch noch mein Lieblingszitat des Buches wiedergeben.

„Es ist eine skurrile Situation. Mit der Geburt legen Kinder einen Start hin, der besser nicht sein könnte. Sie haben phänomenale Fähigkeiten, eine enormen Willen und ungeheuren Ehrgeiz. Sie sind aufmerksamer als Erwachsene, sind im Besitz von mehr Phantasie und können sich an sich selbst begeistern. Könnten Kinder Achtsamkeitstrainings anbieten, würden in Deutschland ganze Berufsgruppen arbeitslos. Kinder beobachten besser, leben intensiver und haben keine Hemmungen. Sie sagen, was sie denken. Fragen, was sie wollen. Handeln, wie sie fühlen. Gegen Kinder sehen wir Erwachsene alt aus. Was bringt uns also dazu, alles daranzusetzen, dass unsere Kinder so werden wir wir? Habe wir Angst vor dem Spiegel, den sie uns vorhalten?“

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6 Kommentare zu “„Jedes Kind ist hochbegabt“

  1. Toll dass du uns dieses Buch vorgestellt hast. Es kommt auf jedenfall auch auf meinen Wunschzettel 😀 du hast mich nämlich nun auch neugierig gemacht. Ich finde manchmal überfordert man Kinder zu schnell und lässt sie nicht einfach machen. Aus dem Grund lese ich so gerne deinen Blog. Du lässt den Tiger vieles erstmal alleine probieren 🙂 das gefällt mir echt wahnsinnig gut

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  2. Hey!
    Danke für die Buchvorstellung! Das Buch kommt auch auf meine Leseliste 🙂 Schade, dass immer wieder propagiert wird, „mehr zu erziehen“, im Sinne von einem autoritären Regelwerk, dem das Kind gehorchen muss, damit es ins gesellschaftliche Bild passt. Ich plädiere immer für Beziehung statt Erziehung!
    Liebe Grüße,
    Gertraud

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    • Danke meine liebe Gertraud!
      Das Buch wird dir sicher gefallen, da es wirklich sehr deutlich aufzeigt, was die Gesellschaft von unseren Kindern erwartet und was das mit den Kindern macht… Oft wird ja heute von der Gesellschaft kritisiert, dass unsere Kinder zu wenig Erziehung haben, doch ich denke, dass (vielleicht oft durch die wirklich frühe und viele Fremdbetreuung?) das Problem die fehlende Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern ist – also ganz deiner Meinung 🙂
      Beste Grüße,
      Ricarda

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