Erziehungsratgeber Vs. Mutterinstinkt?

Bevor ich näher auf das Thema eingehen, möchte ich gerne anmerken, dass ich das Wort „Erziehungsratgeber“ ganz schrecklich finde.. Es gibt so viele unterschiedliche Bücher und alle des großen Themas „Kinder und Erziehung“ in die Spate der Erziehungsratgeber zu stecken, finde ich genauso schlimm wie schlichtweg auch einfach falsch. Bei dem Wort Erziehungsratgeber denke ich sofort an vorgefertigte Listen, wie ich mit meinem Kind zum Vorgehen habe, wenn ein Problem auftritt. Ja, diese Art der Erziehungsratgeber gibt es – von denen würde ich allerdings abraten. In meinem Beitrag geht es um Bücher, die einem das Wesen und das Denken von Kinder jeglichen Alters und Entwicklungsstufe näher bringen. Spreche ich in dem Beitrag von Mutterinstinkte, sind eigentlich die Elterninstinkte gemeint – der Papa nimmt in der Beziehung zum Kind eine andere, aber ebenso wichtige Rolle ein.

Wenn es in Gesellschaft darum geht, dass ich Bücher zu diversen Themen mit Kindern lesen, wurde ich schon öfter belächelt und mit einem Seitenwink darauf hingewiesen, dass man sich doch besser auf den Mutterinstinkt verlassen sollte. Wenn dann jene Eltern ihren Kinder zurufen „wenn du nicht brav bist, bekommst du nichts mehr Süßes“ oder einem weinenden Kleinkind gesagt wird „alle Kinder sind so brav – warum musst du immer weinen?“ frage ich mich, wo eben dieser jene hoch angepriesene Mutterinstinkt geblieben ist.

Um einen harmonischen und an die Bedürfnisse des Kindes angepassten Alltag zu erleben, sind gewissen Grundkenntnisse, wie Kinder denken von Vorteil. Wenn ich weiß, dass es normal ist, dass Kinder Essen von ihrem Hochstuhl werfen und nachsehen oder Dinge unter dem Teppich verstecken, alles mal in den Mund nehmen oder heute mal keine Jacke anziehen wollen, und auch weiß, warum sie es machen, kann ich dem Alltag und diesen Situationen gelassener entgegensehen. Kinder wollen uns nicht bewusst ärgern oder uns absichtlich etwas Böses – Kinder funktionieren einfach anders. Sie haben noch nicht gelernt, wie wir zu denken und unser Handeln ist für sie ebenso oft unklar wie umgekehrt. Eltern sollten wissen, was mit der Seele des Kindes passiert, wenn sie ihm wiederholt sagen, dass sie es zurücklassen, wenn es sich nicht beeilt oder wenn es nach einer „Untat“ alleine auf sein Zimmer geschickt wird. Es ist auch hilfreich zu wissen, dass Kinder oft nicht bewusst trödeln, sondern einfach mehr Zeit brauchen und es ist unsere Aufgabe, diese einzuplanen. Wie alle Eltern wollen auch wir nur das Beste für unseren Tiger und um ihn den ohnehin steinigen Weg zu erleichtern, eigne ich mir Wissen über seine Entwicklung, sein Denken, sein Handeln, sein Wesen an und kann so seinen Bedürfnissen entsprechend reagieren.

Erziehungsratgeber sollen den Mutterinstinkt also nicht ablösen, sondern in wunderbarer Art und Weise ergänzen und positiv erweitern. Nicht jeder Tipp in jedem Buch ist für einen selbst von Vorteil und nicht alles kann so umgesetzt werden, wie man es vielleicht möchte. Ich kann immer noch entscheiden, was nehme ich mir mit und was ist für meine Familie nicht geeignet oder erstrebenswert – welche Themen betreffen auch mein Kind und was funktioniert ohnehin.

In diesem Sinne möchte ich euch noch gerne mit Stolz mein Bücherregal zeigen. Ich habe leider noch nicht alle Bücher lesen können, doch diesbezüglich halte ich euch am Laufenden. Besonders empfehlen kann ich das Buch „Kinder sind anders“ von Maria Montessori (*klick*), „Liebe und Eigenständigkeit“ von Alfie Kohn, „Lieben-Ermutigen-Loslassen“ von Heidi Maier-Hause und für alle Eltern, die Probleme mit dem Schlafverhalten ihrer Kinder haben „Ich will bei euch schlafen“ von Lüpold. Soweit ich dazu komme, möchte ich euch die Bücher in späteren Beiträgen noch näher vorstellen.

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Nachdem ich bereits einiges gelesen habe, habe ich auch die Möglichkeit, mich bewusst für einen Weg zu entscheiden bzw. mich gegen einen Weg zu entscheiden. Als Eltern sollten wir uns die Konsequenzen (positive wie negative) unseres Handelns gegenüber den Kindern bewusst machen und dementsprechend handeln. Verlasst euch auf eure Mutterinstinkte, doch lernt gleichzeitig euer Kind in seinem Denken, seinem Handeln und seinem gesamten Wesen verstehen! Dieses Kennenlernen ist ein Prozess ohne Abschluss. Begleitet man sein Kind auf seinem Weg, wird man es immer wieder neu kennen lernen – es wird niemals der Moment kommen, an dem man sagen kann, man weiß alles. Das macht „Kindererziehung“ so schwierig und gleichzeitig so unglaublich spannend!

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4 Kommentare zu “Erziehungsratgeber Vs. Mutterinstinkt?

  1. Liebe Ricarda!
    Dein Artikel ist unglaublich toll geschrieben, du trifft damit den Nagel auf den Kopf!
    Ich finde Eltern bewundernswert, die sich die Zeit nehmen und sich in die kindliche Entwicklung einlesen, um ihr Kind besser zu verstehen und begleiten zu können. Ein paar der vorgestellten Bücher, habe ich übriges übrigens auch im Regal 🙂

    Liebe Grüße,
    Gertraud

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    • Liebe Gertraud!
      Vielen Dank für deinen Zuspruch! Hatte schon Angst, dass der Beitrag vielleicht etwas zu spitz oder provokativ formuliert ist.. War nach gewissen Vorfällen etwas emotional beim Verfassen der Zeilen *hihi*
      Welche Bücher liest du sonst noch so? Was könntest du mir empfehlen?
      Schöne Grüße,
      Ricarda

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  2. Hey!
    Ich lese auch gerne Jesper Juul und Alfie Kohn. „Der Mythos des verwöhnten Kindes“ ist meine aktuelle Abendlektüre… Vorfälle? Du machst mich neugierig, hihi…
    Schöne Grüße retour,
    Gertraud

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    • Von Jesper Juul hab ich bis jetzt nur „Dein kompetentes Kind gelesen“ und war im ersten Moment nicht mega begeistert – damit ich das aber vernünftig beurteilen kann, muss ich mich erst näher mit ihm befassen 😉
      Alfie Kohn finde ich großartig!
      Bezüglich Vorfälle bekommst eine E-Mail 😉
      Schönen Abend, Ricarda

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