Kinder sind anders – M. Montessori

2015-06-15_01

„Kinder sind anders“ ist das erste Buch, das ich von Maria Montessori selbst gelesen habe und ich bin sehr begeistert davon. Sehr vieles in dem Buch hat mir geholfen, dass ich meinen Tiger noch besser verstehe und besser auf ihn eingehen kann und ich möchte jedem, der Kinder besser verstehen möchte, dieses Buch ans Herz legen. Ich stelle euch hier ein paar Zitate aus dem Buch und meine Gedanken dazu vor.

 

„Hilf mir, es alleine zu tun.“

Das ist wahrscheinlich das berühmteste Zitat Montessoris und sagt schon sehr viel über die Grundhaltung gegenüber Kinder aus. Wenn man einem Kind hilft, indem man das Problem für das Kind erledigt, so ist das eine sehr unbefriedigende Lösung für Eltern und Kind. Es ist für Kinder so unglaublich wichtig, dass sie so vieles wie möglich alleine machen können, egal in welchem Bereich ihres Lebens – diese Erfolgsmomente, die darauf folgen, sind für jeden Menschen so unbeschreiblich wertvoll. Das Gefühl, etwas alleine geschafft zu haben, stärkt einen Menschen und gibt ihm Selbstbewusstsein. Braucht unser Tiger irgendwo unsere Hilfe, achte ich darauf, ihm nur eine Hilfestellung zu geben, also soweit zu helfen, dass er es trotzdem alleine zu Ende bringen kann. Möchte er z.B. seine Socken ausziehen und schafft es nicht alleine, zeige ich ihm, wo er ziehen muss, damit es leichter geht oder ich schiebe den Socken nur ein Stück weit nach unten, damit er ihn im Endeffekt alleine ausziehen kann. Und der Gesichtsausdruck, wenn er etwas alleine geschafft hat (was auch immer) ist jede Mühe, jede kreative Hilfestellung und jede Geduld wert!

 

„Wer wird noch einmal mit solcher Leidenschaft in unserer Nähe sein wollen, […]?“

An diesen Satz muss ich immer und immer wieder denken und jedesmal hilft er mir, dass ich die Handlungen meines Kindes mehr als nur zu schätzen weiß! Sehr oft denke ich an diesen Satz, wenn es um die Schlafsituation geht – wir haben nach wie vor unzählige Abende, an denen der Tiger alle 1-2 Stunden weint, weil er alleine im Familienbett ist. Unzählige Stunden bin ich schon mit ihm im Bett gelegen, wach weil ich noch nicht schlafen konnte und kurz an der Grenze zum Genervtsein.. Seit ich diesen Satz gelesen habe, weiß ich es zu schätzen, dass er mich in dem Ausmaß braucht! Die Zeit wird vorbei gehen und er wird mich nicht mehr so intensiv brauchen wie jetzt – das könnte in 3 Monaten oder auch in 2 Jahren sein, aber diese Zeit wird definitiv vorbei gehen und daher genieße ich sie jetzt, so gut es möglich ist und schaue dem Tiger einfach stundenlang beim Schlafen zu.

 

„Die kindliche Persönlichkeit, die in ihrer Entwicklung gefördert werden soll, ist die schwächere; daher muss die überlegene Persönlichkeit, die des Erwachsenen, zurücktreten, sich der Führung durch das Kind überlassen und seine Ehre darein setzen, das Kind zu verstehen und ihm zu folgen.“

Die Wege von Kindern sind andere und auf diesen Wegen den Kindern zu folgen, sie zu begleiten, ihnen zu helfen wenn sie es brauchen, ist ein sehr großes Geschenk. Es heißt immer, eine Gruppe ist so stark, wie sein schwächstes Mitglied und an diese Bedürfnisse wird die Umgebung angepasst, an den Langsamsten wird die Geschwindigkeit angepasst. So ist es auch mit Kindern, sie sind das schwächste und neueste Glied in der Gruppe, in der Familie. Die Erwachsenen sollten sich daher an der Geschwindigkeit, an der Verständlichkeit, an den Handlung und Interessen des Kindes anpassen. Es wird mit der Zeit wachsen und gestärkt alleine durchs Leben gehen – doch bis dahin sollte der Rhythmus des Kindes auch der Rhythmus des Erwachsenen – wann immer es möglich ist.

 

„[…] es wäre restlos glücklich, gäbe man ihm andere Gegenstände in die Hand, die ihm dieselben Übungen ermöglichten.“

Kinder üben in allem, was sie tun ihre Fertigkeiten, fördern selbstständig ihre Entwicklung und entdecken oft für uns verborgene Dinge. Nicht alles können wir ihnen erlauben, doch sollten wir stets bemüht sein, unseren Kindern Alternativen anzubieten! Und wenn man das immer und immer wieder probiert, wird man feststellen, dass Kinder diese Alternativen sehr oft und anstandslos annehmen. Es fordert oft sehr viel Kreativität, Alternativen zu finden und für mich ist das auch nicht immer möglich – doch ich lerne stetig dazu und es wird mit der Zeit auch leichter, gleichwertige Dinge zu finden, an denen das Kind seine Fertigkeiten üben kann.

 

„Das Kind hingegen muss mit niederschmetternder Regelmäßigkeit feststellen, dass es und nur es alleine als eine Gefahr für die Gegenstände angesehen wir und dass deswegen ihm alleine die Berechtigung abgesprochen wird, sie anzurühren, und dass es darum ein Wesen minderen Wertes ist, ein Wesen, dessen Wer fast noch unter dem der Gegenstände steht.!

Das ist eine sehr zugespitzte und drastische Formulierung, die allerdings sehr viel Wahrheit enthält. Und man kann da bei den einfachsten und banalsten Dingen ansetzen, z.B. ein Glas. Für jeden in der Familie ist die Verwendung eines Glases zum Trinken selbstverständlich und auch wenn Besuch kommt, wird ihm selbstverständlich ein Glas angeboten – sogar wenn man den Besucher gar nicht recht kennt. Nur das kleine Kind bekommt kein Glas – es ist noch zu klein, es kann den Umgang damit nicht, es könnte es zerbrechen,… Aus diesem Blickwinkel muss es doch wirklich sehr niederschmetternd sein, Kind zu sein und nicht einmal die Möglichkeit bekommen, gleichberechtigt Gegenstände zu verwenden. Bei diesem Beispiel kommt noch hinzu, dass es ja auch noch völlig egal wäre, wenn das Glas kaputt werden würde (Hand aufs Herz – wem ist das noch nie passiert..!) – im Gegenteil, es wäre ein wichtiger Lernprozess für das Kind, dass Glas kaputt werden kann. Unser Tiger verwendet seit etwa 4 Monaten unser alltägliches Geschirr/Gläser/Kochuntensilien und wenn ich mir anschaue, was ihm kaputt und wie viel mir kaputt gegangen ist in diesen 4 Monaten, wäre die Bilanz niederschmetternd für mich und es müsste mir eigentlich verboten werden, jemals wieder ein Glas in die Hand zu nehmen!

 

Es gäbe noch so viel mehr in dem Buch, was wichtig und interessant ist, doch heute belasse ich es bei den Zitaten – es sind die Sätze, die für mich sehr viel Aussagekraft haben und mir geholfen haben, dass ich unsern Tiger besser verstehe und auch Dinge anders zu schätzen weiß. Es sind die Zitate, die mir helfen, unseren gemeinsamen Alltag gelassener und leichter zu meistern.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Kinder sind anders – M. Montessori

  1. Pingback: Erziehungsratgeber Vs. Mutterinstinkt? | Tigers großes Abenteuer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s