Montessori für uns!

Von Anfang an haben wir die „Erziehung“ unseres Tigers sehr bedürfnisorientiert gehalten – rein aus dem Bauch heraus waren für uns Dinge wie schreien lassen oder nach Uhrzeit füttern absolut tabu. Die ständige körperliche Nähe, die unser Tiger rund um die Uhr und vor allem beim Schlafen brauchte, erdrückte mich manchmal und trotzdem war ich immer bereit, seine Bedürfnisse so gut es mir möglich war, zu erfüllen und seine über meine zu stellen.

Schon bald machte er uns auch klar, dass er alles selber probieren möchte – und so hatten wir so unsere Probleme beim Essen! Unser Tiger wollte nicht gefüttert werden.. Wir haben dann mit FingerFood angefangen und sind kurze Zeit später auf BLW gestoßen. Das war das perfekte Esssystem für uns. Beim Essen herrschte immer absolutes Chaos und aufräumen etwa den Aufwand vom ganzen Kochen hatte, solange unser Tiger nur Freude am Essen hatte – und das hatte er! BLW (Baby Led Weaning) heißt nichts anderes, als dass gleich unterschiedliche Arten FingerFood angeboten werden und das Kind frei wählen darf. Anfangs brauchte unser Tiger nach dem Essen noch Fläschchen, da er nicht die Koordination und Ausdauer für genügend Essen hatte – doch das änderte sich sehr schnell!

Die Monate vergingen und wir bauten uns einen gegenseitigen, respektvollen Umgang auf. Der Tiger durfte alles (die Grenze war natürlich, so bald es in irgendeiner Form gefährlich wurde) und die Wohnung hatten wir schnell seinen ersten, mobilen Bedürfnissen angepasst – unser Tiger durfte sich alleine und frei ohne Kontrolle in der Wohnung bewegen und seine Erkundungstouren machten ihm sichtlich Spaß!

Als unser Tiger etwa 10 Monate alt war, entdeckte ich einen Begriff für unsere „Erziehungsform“: Montessori! Ich habe mich schnell etwas eingelesen und je mehr ich wusste, desto sicherer war ich – genau das ist das richtige für uns, da wir es von Anfang an rein intuitiv so gehandhabt haben. Im Moment arbeite ich die Bücher von Maria Montessori selbst durch und ich bin so unglaublich fasziniert – über ihr Bild von Kindern und Erziehung.

Hier die Grundzüge, die wir bereits entweder intuitiv so machten oder von Montessori selbst übernommen haben:

  • unser Tiger darf sein Leben sehr selbstbestimmt führen – es steht ihm frei, wann er schlafen geht, was er essen möchte (mehrere Möglichkeiten zur Auswahl), wann er essen möchte (kleine Snacks stehen ihm am Nachmittag zu Verfügung), ob ihm zu kalt oder zu warm ist,..
  • unser Tiger darf bei uns schlafen – so lange es für uns alle passt
  • wir nehmen die Gefühle unseres Tigers ernst – egal ob wir sie verstehe oder eben nicht.. und schreiben ihm auch nicht Gefühle zu, von denen wir glauben, dass er sie gerade empfindet
  • wir pflege einen respektvollen Umgang mit meinem Tiger – höfliche Worte, bitte, danke,… und schimpfen ihn nicht an, sondern erklären es ihm
  • wir respektieren seine Wünsche – nicht immer ist sofort klar, was er machen möchte oder was er vor einer „von uns vorgeschlagenen Aktivität“ noch zu Ende führen muss.. Doch je besser wir ihn kennen, desto eher können wir ihn verstehen!
  • wir helfen unserem Tiger, wenn er uns klar macht, dass er Hilfe braucht, ansonsten lassen wir ihn werkeln
  • wir stellen unserem Tiger eine für ihn geeignete Umgebung zur Verfügung, sodass er alltäglich Aufgabe alleine und selbständig erledigen kann
  • wir setzen meinem Tiger keine unnötigen Grenzen, das macht das Leben schon ganz alleine, da müssen nicht wir noch welche drauf setzen (siehe auch „Warum nicht“ *klick*)
  • wir lassen unseren Tiger probieren und selbst entdecken – so gut es geht, immer und überall
  • wir lassen unseren Tiger an unserem Leben teilhaben bei allen Aktivitäten und er ist mit Freuden mit dabei (siehe auch „Tägliche Hausarbeit“ *klick*)
  • wir lassen unseren Tiger selbst Entscheidungen treffen (im Moment sind es Dinge wie, welche Zahnbürste sollen wir kaufen) – je älter er wird, desto mehr Entscheidungen wird er treffen können und wir werden ihn auch bei gemeinsamen Entscheidungen mit einbeziehen
  • wir bessern unseren Tiger nicht ständig aus – er darf seine eigenen Fehler machen und Erfahrungen sammeln, nur so kann er lernen
  • wir vertrauen unserem Tiger und trauen ihm auch sehr viel zu – er ist ein großartiger Mensch
  • wir halten unseren Tiger (so gut es geht) nicht von unseren Sachen fern – er kann auf Dinge, die uns wichtig sind, aufpassen und wem von uns geht nicht mal was kaputt..!
  • wir nehmen uns die Zeit und beobachten unseren Tiger genau – daraufhin kennen wir auch seine Interessen und können ihm gezielt Aufgaben dazu stellen, die er mit Freude meistern versucht (siehe auch „Steckspiele“ *klick*) – dabei achten wir auch besonders auf die richtigen Materialien (mit den richtigen Montessori – Materialien muss ich mich aber noch genauer beschäftigen)
  • wir lieben unseren Tiger – BEDINGUNGSLOS – zu jeder Zeit, egal was er macht und zeigen ihm das auch!

Ich bin unglaublich froh, Montessori für uns entdeckt zu haben und freue mich auf alles, was wir noch entdecken werden!

— Hilf mir, es selbst zu tun! —
Maria Montessori

2015-06-04_01

Hoffentlich finde ich mal die Zeit, dass ich euch meine (für mich) spannendsten Bücher zu dem Thema kurz vorstelle!

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2 Kommentare zu “Montessori für uns!

  1. Hallo!
    Dein Blog mit seinen Inhalten, Ansichten und Entdeckungen gefällt mir sehr gut!
    Ich hoffe demnächst mehr Zeit zum durchstöbern zu haben.
    Wir könnten sehr auf einer Wellenlänge liegen.
    Liebe Grüße
    Julia

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    • Liebe Julia!
      Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Ich würde mich freuen, wenn du uns öfter hier besuchen kommst – ich freue mich immer über „Gleichgesinnte“ 🙂
      Sonnige Grüße,
      Ricarda

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